Facsimile · p. 66
46 gezahlt; stirbt letztere ohne Kinder, dann muss der Vater die Morgengabe dem Schwiegersohne zuriickzahlen, falls er ihm keine andere Tochter ais Ersatz geben kann. Das Hochzeitsfest besteht aus einem Mahle im Hause der Braut, an dem die Eltern und Freunde der beiden Familien teilnehmen und nacli dessen Beendigung getanzt wird. Dieses Fest wie alle sonstigen Feste fiihren den Namen Congo. Der Congotanz wird in der Weise aufgefuhrt, dass Manner und Weiber zusammen einen Kreis bilden, springen und nach dem Tonę der Nugara, einer Art Pauke, Schreie ausstossen.
Der Musiker befindet sich in der Mitte des Kreises der Tanzer, die bald Kette bilden, wobei sie sich mit den Handen fassen, bald auseinander gehen, um mit den Stócken den Takt zu schlagen. Diese Feste sind von starken Merissagelagen begleitet und dauern manchmal bis zum folgenden Tage. Ist der jungę Ehemann reich genug, so wird der Congo an mehreren Tagen hintereinander wiederholt. Bei allen fróhlichen oder ernsten Festen wiederholen die Bari denselben Congo. Wenn einer gestorben ist, findet der Congo am Abend nach dem Begrabnis auf dem Grabę selbst statt, das mit Merissa besprengt wird. War der Tote ein wohlhabender Mann, so wird sein Grab mit dem Blute einiger Opfertiere begossen, dereń Fleisch ais Congomahl dient. Die Kópfe der zu diesem Zweck geschlachteten Tiere werden auf einen Pfahl gesteckt, den man auf das Grab des Verstorbenen setzt. Im Gegensatz zu den orientalischen Sitten wird die Geburt eines Madchens bei den Bari ais ein grósseres Gliick betrachtet, ais die eines Knaben; der Grund hierfiir ist der, dass das Madchen bei der Heirat ihrer Familie eine Mitgift verschafft, die der Brautigam zu zahlen hat, wogegen ein Knabe nichts einbringt. Ein weiterer noch wichtigerer Grund fur die Achtung, in der die Frauen stehen, und fur die besondere Freude, die die Geburt eines Madchens bereitet, ist die wichtige Rolle, welche die Frau in der Vermehrung der Rasse spielt. Die Morgengabe an die Frau besteht nicht immer bios in Tieren,