Facsimile · p. 53
33 waschungen mit Carbollósung. Am folgenden Tage fand ich keine Maden mehr und in dem Zustande der Kranken zeigte sich eine merkliche Besserung; ich setzte diese einfache Behandlung fort, und 39 Tage spater konnte die Frau das Hospital vollstandig geheilt verlassen. Kaum aber waren drei Tage vergangen, ais ihr Mann mir unter Thranen erzahlen kam, dass seine Frau soeben von einem Lówen gefressen sei; es stand nun einmal geschrieben, dass die Ungliickliche einem wilden Tier zum Opfer dienen sollte.
In Lado wie in den anderen Aeąuatorialstationen gab es weder Krankheiten noch tiberhaupt ernstliche Affektionen; nur selten kamen kleine Wechselfieber vor, mit denen ich aber vermittelst einiger Gramm Chinin oder bisweilen eines leichten Abfuhrmittels bald fertig wurde. 'Wahrend meines ganzen Aufenthalts in Lado sind mir nur ein Fali von perniciósem, ein Fali von thyphósem, zwei von biliósem Fieber und einige syphilitische Falle vorgekommen. Im Ssudan wie in allen andern Landem schiebt man die Schuld hierftir auf den andern Theil. Die Neger versichern, dass sie diese Plagę erst kennen gelernt haben, seitdem das arabische Element in das Land gekommen ist. Augenkrankheiten sind hier sehr selten. Die Augen der Ssudanesen sind, wie man ohne Uebertreibung sagen darf, die beśten in der ganzen Welt, ebenso wie ihre Zahne die besten aller Racen sind. Eine sehr gewóhnliche und fast die einzige endemische Krankheit ist der Medinawurm, hier Frantit genannt; doch kommt sie anscheinend nur bei den Negern vor und ist nicht tótlich.
Vita Hassan. 3