Facsimile · p. 191
i7i Rauber und Verbrecher diirfen sich unter dem Schutze derselben, die ihre Komplizen sind, ungestraft alle Schandthaten erlauben. So vergeht denn auch kein Tag, ohne dass man von Diebstahl sprechen hórt. Die óffentliche Sicherheit fehlt vollstandig, die Heerstrassen sind in wahrhafte Halsabschneideplatze verwandelt, der Handel ist ruiniert und Gordon Pascha durch seine Umgebung so isoliert, dass er von dem, was ausserhalb seiner Residenz vorgeht, fast nichts erfahrt. Die Erpressungen dieser Beamten haben den hóchsten Grad erreicht, und das Volk seufzt unter dem Joche der Willkiir. So erheben diese Satrapen, unter dem Vorwande einer von Gordon angeordneten Rekrutierung, nicht bloss eine Steuer von 5 bis 10 Thalern pro Kopf von den Sklaven, welche die Felder der Notabeln und gróssten Grundbesitzer bebauen, sondern entreissen auch diese Leute ihrer Arbeit, ohne sie jedoch zum Militardienste zu nehmen. Die Soldaten und Beamten empfangen keine Bezahlung und kónnen uns deshalb ihre Schulden nicht bezahlen, und wir haben alle Hoffnung verloren, unsere Forderungen beitreiben zu kónnen. Und dabei begniigen die Soldaten sich mit der Nichtbezahlung ihrer Schulden nicht, sondern nehmen uns noch unsere Vorrate und Waren mit Gewalt weg, und einen Offizier, der sie zur Ordnung bringt, giebt es nicht. Kurz, es ist die volle Anarchie und der Ruin. Jede Klage bleibt unniitz, da Gordon Pascha sich nur mit der Absetzung und Ernennung von Beamten beschaftigt. Diese Absetzungen und Ernennungen sind so haufig, dass wir nicht mehr wissen, mit wem wir zu thun haben. Alle anstandigen und loyalen Paschas werden auf die falschen Berichte der gierigen Individuen entfernt und verabschiedet, welche Gordon Pascha’s Umgebung bilden, welche sich mit ihren Freunden, die sie zu allen wichtigen Aemtern ernennen lassen, in die Ausbeutung der unterdriickten Bevólkerung teilen. Die Interessen des Staatsschatzes werden nicht mehr beriicksichtigt, ais die unsrigen. Dank der straflichen Nachricht von Gordon’s Giinstlingen diirfen die Dorfchechs die Steuern und Abgaben zu ihrem eigenen