Jahre 1857 den Plan einer Aufteilung Nordafrikas gehabt habe, wobei Agypten an England, Marokko an Frankreich und Tunis
an Sardinien fallen ſollte. Jedenfalls war in den vierziger und
fünfziger Jahren in Agypten die Beſorgnis vor einer engliſchen
Okkupation ſchon ziemlich verbreitet. „Es gibt in England Ver—
treter einer Partei, die darauf hinarbeitet, ſich Agyptens eines
Tages zu bemächtigen“, warnte 1857 ein Franzoſe feine Lands—
leute (Merruau, L’Egypte contemporaine, S. 120). Wirklich
ernſt wurde die ägyptiſche Frage erſt mit dem Suezkanal, der,
von Franzoſen geplant und mit franzöſiſchem Gelde erbaut, dem
ſchon damals bedenklich groß gewordenen politiſchen Einfluß Frank⸗
reichs die Vorherrſchaft in Agypten zu ſichern drohte. Der Suez⸗
kanal bildet den Ausgangs- und Angelpunkt der neuſten Geſchichte
Agyptens. England hatte ſeinen Bau zunächſt zu verhindern, dann
ſeiner Vollendung die größten Schwierigkeiten zu machen ſich
bemüht, denn „es durfte nicht erlauben, daß eine andere Macht
mit dem Kanal die Beherrſchung des kürzeſten Weges nach Aſien,
zumal nach Indien in ihre Hand bekäme“. Als der Kanal aber trotz
alledem zuſtande gekommen war, „konnte es für England keine
Frage ſein, daß er nunmehr in engliſche Hände kommen müſſe, und
ſeine Beherrſchung bedang natürlich die Beſetzung von Agypten“. Das waren die Leitſätze der engliſchen Politik, die in den eng—
liſchen Darſtellungen immer wiederkehren. Die Notwendigkeit
dieſer Politik war ſeit 1869 in England erkannt worden und bil—
dete fortan den roten Faden in der engliſchen Behandlung der
geſamten orientaliſchen Frage. Das Glück begünſtigte die Aus⸗
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