liſchen Büchern immer mit ſittlicher Entrüſtung der „verrotteten
türkiſchen Wirtſchaft“ vorgeworfen werden. In der anderen Ab:
teilung desſelben Miniſteriums, dem Bautendepartement, war
dieſes Unweſen bei der Ausſchreibung und Vergebung von Liefe—
rungen, Bauten uſw. ebenſo tief eingeriſſen. Hier kann Cromer
der Vorwurf nicht erſpart bleiben, daß er keinerlei Anſtrengungen
gemacht hat, dieſen Augiasſtall der Korruption zu reinigen. Un—
bekannt konnten ihm dieſe Zuſtände nicht ſein, denn es wurden ihm
Fälle direkt angezeigt. Oder hat ſeine Allmacht vor einzelnen Per—
fonen haltmachen müſſen? Aber er verſtand es doch ſonſt, ihm un:
angenehme Perſonen, wenn ſie ihm auch von hoher Stelle aufge—
drängt waren, hinauszumanövrieren.
Das Jahr 1904 bezeichnete den Höhepunkt ſeiner Macht.
Die Gefahr der Einmiſchung Frankreichs hatte bis dahin noch
immer als ein Damoklesſchwert über ſeiner Reformarbeit ge—
ſchwebt. Zwar hatte man den alten böſen Feind in Faſchoda
gründlich gedemütigt, aber ganz ſicher fühlte man ſich immer
noch nicht. Da kam man auf einen genialen Gedanken. Die eng:
liſche Politik erforderte nicht ſeine Vernichtung; im Gegenteil,
er ließ ſich mit ſeinem Rachedurſt gegen einen anderen, noch
viel gefährlicheren Feind mit Vorteil gebrauchen. So kam es
nach nicht zu langen Verhandlungen (ſeit Herbſt 19039 am
8. April 1904 zu dem Abkommen mit Frankreich, an deſſen
Zuſtandekommen Cromer und Gorſt wohl den Hauptanteil ge—
habt haben; denn der Hauptgegenſtand desſelben betraf Agypten
und den Hauptnutzen zog England, reſp. Cromer. Frankreich
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