nehmungen in Kleinafien oder Syrien-Meſopotamien. Die Zu—
ſicherung an die Türkei, dafür die aſiatiſchen Provinzen gegen Rußland zu verteidigen, iſt alſo mit dem offenen Bewußtſein,
ſie nicht zu halten, erteilt worden. Nach dem Kriege kam dieſer
Stellungswechſel gegenüber der Türkei unter anderem in der Dal:
tung Englands während der verſchiedenen Phaſen der armeniſchen
Frage zum Ausdruck, in der es mit Rußland Hand in Hand ging,
ſpäter auch in der mazedoniſchen Frage. Immerhin, mag die Stim—
mung in England ſeit dieſer Zeit antitürkiſch geweſen ſein, ruſſophil
iſt ſie erſt in den letzten Jahren geworden, ſeitdem die Gefahr eines
Krieges mit Rußland wegen Afghaniſtan, reſp. Indien — den
König Edward als Prinz von Wales a damned good thing ge-
nannt haben ſoll — definitiv beſchworen war. Wenn nun auch der
ruſſiſche Krieg ohne den befürchteten Durchbruch Rußlands nach
dem Mittelmeer geendet hatte, ſo glaubte das Londoner Kabinett
mit der Sicherung des Suezkanals nicht länger warten zu ſollen. Zudem hatte inzwiſchen die Entwicklung der Ereigniſſe in Agypten
darauf hingedrängt, die Okkupation für die nächſte Zeit ins Auge zu
faſſen. Die Finanznot Iſmail Paſchas, deſſen Schuldenlaſt bis
Ende 1876 die Höhe von neunundachtzig Millionen ägyptiſcher Pfund (gegen drei Millionen im Jahre 1863) erreicht hatte, hatte
hart an den Bankrott geführt und der Verſuch, dieſen zu verhüten,
zu einer europäiſchen Einmiſchung, zunächſt in der Form einer Über—
wachung durch eine Kommiſſion, die ſich allmählich zu der ſechs—
köpfigen internationalen Staatsſchuldenkaſſe, kurz die Dette pu=
blique genannt, auswuchs, dann ſchließlich zum Sturz Iſmail Pa-
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