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Wohl kaum mehr eine erlaubte Kriegslist, sondern ein so unerhörter Mangel an nobler Gesinnung, welchem die Strafe auch sofort auf dem Fuße folgen sollte. Den ganzen 29. Februar hatte ein Sturm gewütet. Erst gegen Abend legte sich das Unwetter, und der Mond brach durch. Man versprach sich eine stille und helle Nacht. Gegen 10 Uhr verließen die italienischen Truppen geräuschlos ihr Lager. 2785 Mann blieben zur Deckung desselben in Entiscio zurück, 14,519 Mann rückten aus, begleitet von 56 Geschützen. Den Leuten war das Rauchen verboten, um nicht die Aufmerksamkeit des Feindes zu erregen. Man marschierte in südwestlicher Richtung auf die Stadt Adua zu.
Die Schwierigkeiten des Terrains, welche jetzt erst, auf dem Marsche, in ihrem vollen Umfange den Italienern bekannt wurden, zwangen dieselben, in getrennten Kolonnen zu gehen. Folgendes war die Ordnung: Die Vorhut hatte General Albertone mit 4000 Mann, dann folgte General Dabormida mit 3800 Mann, dann marschierte General Arimondi mit 2500 Mann, und die Nachhut führte General Ellena mit 4219 Mann.
Bei der Abteilung Arimondi ritt General Baratieri mit seinem Stabe.
Diese Marschordnung hatte zur Folge, daß, am Bestimmungsorte angelangt, jede Kolonne auf die nächstfolgende warten mußte, um zusammengeschlossen in eine Schlachtordnung zu treten. Außerdem war es doch auch erforderlich, den am Ziele angelangten Truppen eine Erfrischungspause zu gönnen, zur Stärkung nach dem beschwerlichen Nachtmarsche. Sie hatten einen Weg zurückzulegen von mehr denn vier geographischen Meilen.
Aber es kam zu alledem nicht. Die Abessynier besaßen einen ausgezeichneten Aufklärungsdienst.
Bereits in der Nacht waren die Feldherren drüben über den Aufmarsch der Italiener vollkommen unterrichtet, und von Stunde zu Stunde empfing der Negus durch sie die Nachricht über die Vorwärtsbewegung des Feindes. Um diesen Feind ganz sicher zu machen, rief Menelek seine Vorposten von den Bergen zurück. Die Italiener zogen nun unten sorglos, in weit auseinander gezogener Linie, dahin. Und bevor das Marschziel von allen erreicht war, bevor die Sammlung dort geschehen, bevor die Schlachtordnung sich formiert, bevor die Artillerie Aufstellung gefunden hatte, befahl der Negus, am frühen Morgen des 1. März, den Angriff.
Die Vorhut Albertones, soeben vor Adua ankommend, sah sich mit gezogenem Schwerte empfangen und mit Übermacht angegriffen. Zurückgeworfen, drängt Albertone auf die Kolonne Dabormida. Diese weicht, und preßt Arimondi. Nun sucht man sich in aller Hast zu sammeln, um eine Aufstellung zu finden. Aber das Terrain ist dem zu hinderlich. Die Artillerie kann gar nicht zur Geltung gebracht werden. Trotz aller Ungunst entwickeln dennoch die italienischen Soldaten eine anerkennenswerte Bravour.
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