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Crispi stand damals gegenüber einer Kammer, welche mit der in Erythräa befolgten Politik höchst unzufrieden sich zeigte. Es waren bis dahin 115 Millionen Lire für diese Kolonie ausgegeben worden, und nichts dort eingenommen.
Crispi fühlte das Bedürfnis, dieses unzufriedene Haus durch einen großen Sieg zu versöhnen, und drängte Baratieri zum Angriff.
Baratieri telegraphierte zurück: „Je ne suis pas en mesure d’attaquer flennend; toutefois, j’espere pouvoir le repousser, s’il m’attaque!“ Crispi wurde beleidigend. Er charakterisierte Baratieris bisherige Kriegsführung als „militärische Schwindsucht“ und drohte mit Ablösung.
Sein Bedürfnis war es, und er forderte einen durchschlagenden Sieg (une victorie authentique).
In der Tat, es war Baidissera bereits zum Nachfolger Baratieris in Born ins Auge gefaßt worden.
Verletztes Selbstgefühl und verhaltener Zorn 1 ) spornten den ehrgeizigen Baratieri nun umsomehr an, alles, worüber er noch verfügte, wie ein verzweifelnder Spieler, auf eine einzige Karte zu setzen. Er entschloß sich zu dem unklugen Angriff auf die bedeutende Übermacht der Abessynier; zu der Eröffnung eines Kampfes, von dem er sich sagen mußte, in ihm würde auf seiner Seite ein Mann standhalten müssen gegen vier der wohlgerüsteten Feinde.
Die von ihm besetzte Stellung Addigrat-Entiscio war eine feste. In ihr konnte er den Angriff Meneleks abwarten und wohl auch aushalten.
Die Abessynier waren ja in starker Übermacht und wohlbewaffnet ; aber ihnen fehlte etwas von größter Wichtigkeit, nämlich ein geregeltes Verpflegungssystem. Sie lebten von den Erzeugnissen der Bodenscholle, auf der sie gerade standen. Und zur Zeit besaßen sie Proviant nur noch auf fünf Tage.
Alles riet hier zum klugen Abwarten. Aber der Minister, welcher einen „authentischen Sieg“ vor seiner erzürnten Kammer brauchte, drängte und drängte, und es zeigte sich einmal wieder in der Geschichte, wie wenig es frommt, wenn der Diplomat den Feldherrn, die Feder das Schwert zu meistern gedenkt.
Doch zu dieser Unklugheit, welche Baratieris Blick trübte, gesellte sich, was um vieles vorwurfsvoller für ihn war, auf seiner Seite auch die Verräterei. Am 29. Februar sandte er an Menelek einen Brief, enthaltend Vorschläge für einen Waffenstillstand. Dieser Brief, keineswegs ernstlich gemeint, hatte nur den Zweck, Menelek einzuschläfern, um dann den Sichergemachten desto erfolgreicher zu überrennen.
*) F. Farinet charakterisiert ihn als einen „homme bouillant“. — Le Mois Colonial, No. 9, 1903, Paris.
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