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Und nun erschien, am 20. Dezember 1889, ein königlich italienisches Dekret, welches, alle die bisherigen Erwerbungen zusammenschließend, dieselben als „Colonia Eritrea“ proklamierte.
Es schien damit das italienische Kolonialunternehmen seinen gedeihlichen Abschluß gefunden zu haben. Indessen gerade jetzt sollte eine dreijährige Periode voller Mißgeschick und Schwierigkeiten für Italien hier eintreten. Es fiel dieselbe in die Jahre 1891 bis 1893. Der General Gondolfi, damals Zivilund Militärgouverneur von Erythräa, begab sich nach Rom, und verabredete mit dem Ministerium ein Programm, dessen vier Hauptpunkte folgende waren: 1. Beschränkung der militärischen Besetzung auf das Dreieck Massäua, Cheren, Asmara.
2. Außerhalb dieses Dreiecks die Ernennung einheimischer Schechs als Lokalbehörden.
3. Friedliche Entwickelung von Handel und Ackerbau.
4. Zurücksetzung der Ausgaben der Kolonie auf jährlich acht Millionen Lire.
Infolge dieses Abkommens schloß Gondolfi einen formellen Freundschaftsvertrag ah mit dem Ras Mangascha, dem Gouverneur der benachbarten abessynischen Provinz Tigre, einem Vasallen des Königs Menelek, und zwar ohne diesen letzteren irgendwie darüber zu verständigen. Der König, bereits verstimmt über jene Fälschung im Vertrage von Utschalli, mußte durch solche Machinationen hinter seinem Rücken auf das schwerste gereizt werden. Die Lage wurde dadurch nur um so gespannter. Auch die friedliche Entwickelung des Handels erfuhr in dieser Zeit keine Förderung, sondern vielmehr schwere Einbuße.
Ein Rebell, namens Caharra, verheerte das Binnenland unter Plünderung und Anzündung von Dörfern. Die Karawanen, befrachtet mit Landesprodukten, konnten nicht mehr bis nach Massäua Vordringen, um dann auf dem Rückwege die Fabrikate Europas in das Innere des Sudan zu tragen. Der Warenumsatz im Hafenplatze wurde gleich Kuli, und die europäischen Kaufleute drohten, Massäua zu verlassen. Auch der Ackerbau, welcher durch eingewanderte italienische Kolonisten betrieben werden sollte, wollte keinen rechten Aufschwung nehmen. Man hatte in Rom sich der Hoffnung hingegeben, den großen Strom der italienischen Auswanderung, welcher jährlich fast eine halbe Million beträgt, und seit Jahrzehnten in fremde Länder, als Canada, Brasilien, Argentinien, Algier und Tunisien, abfließt, nun nach Erythräa zu lenken. Das erwies sich aber als eine Täuschung. Die italienischen Bauern und Arbeiter scheinen erfahrungsmäßig, zum Zweck der Gründung neuer Heim-64