Facsimile · p. 77
Habe keinen entbehrlichen Gegenstand, der für den alten Herrn passend gewesen wäre. Da verfiel Hassan auf einen guten Gedanken. Aus seiner arabischen Garderobe erbot er sich, einen guterhaltenen, gelbseidenen Kaftan herzugeben. Allein auch dieses Wertstück lehnte der Schech ab. Er wollte ganz uneigennützig erscheinen. Nun hatten auch wir unseren guten Willen gezeigt, und schieden im besten Frieden.
Die Grenzlinie zwischen dem italienischen und englischen Machtgebiete ist nicht sehr in die Augen fallend hier markiert. Etwa einen Kilometer westlich von der italienischen Telegraphenstation Sabderat rücken zwei nackte Felswände hart hinan an die Ufer des breiten Sabderatstromes.
Hier hat man, in der Höhe von etwa 100 Metern, einander gegenüber, glatte Flächen, jedoch von nicht erheblichem Umfange, in die Felsenwände eingehauen. Eine Inschrift auf denselben ist noch nicht angebracht. Indessen eine Verbindungslinie, von Fläche zu Fläche, quer über den Fluß in Gedanken gezogen, würde die politische Grenze zwischen beiden Reichen darstellen.
Wir passierten diesen historisch interessanten Punkt D'/j Uhr nachmittags, und hatten nun das Bewußtsein, fortan in dem ägyptischen Sudan uns zu bewegen.
Bei Kassala verläuft der letzte Strang jener parallel von Nord nach Süd streichenden Bergketten. Da es deren Tendenz ist, je mehr nach Westen hin, um so kleiner zu werden, so ragen hier bei Kassala nur noch isolierte Felsenzacken aus dem Erdboden auf, mit dazwischen liegenden breiten Einsattelungen.
Die Ebene zwischen Sabderat und Kassala hat eine Breite von 28 Kilometern und liegt noch 501 Meter über dem Meere. Sie ist schwach mit Strauchwerk besetzt, und zeigt bereits eine Verarmung der Vegetation, verglichen mit der üppigen Pflanzenpracht des abessynischen Hochlandes. Wir schlugen unsere Zelte, 8 Uhr abends, 10 Kilometer östlich von Kassala, in dieser Ebene auf, zur letzten Nachtruhe auf diesem ersten Abschnitte unserer Reise.
Am nächsten Morgen, es war ein Sonntag, zog ich mit meiner Karawane um 7 Uhr in Kassala ein, und wurde von dem englischen Kommandanten, Major Dwyer, freundlich aufgenommen. Auf einem freien Platze zwischen seinem Wohnhause und seinem Garten lasse ich, nach seiner Weisung, mein Zeltlager aufschlagen; denn ein Hotel ist nicht am Orte.
Sonntag, den 18. Januar, war ich in Massäua gelandet; Sonntag, den 8. Februar, betrat ich Kassala. Drei Wochen hatte ich demnach gebraucht, um ganz Erythräa, von Ost nach West, auf einer Linie von ca. 450 Kilometern, zu durchqueren.
Fassen wir nun die dort gewonnenen Eindrücke kurz zusammen Erythräa ist eine Kolonie, welche gute Aussichten bietet, auch dann, 4* 51