Sudan Archive

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Seltsamerweise sind liier die weiblichen Exemplare sehr stark und stattlich, die männlichen aber nur schwach behörnt. Ein Bulle hat hier den Preis von 20 bis 30, eine Kuh den Preis von 50 bis 60 Maria Theresia-Talern. Aber wie schwer lassen sich diese in der Freiheit weidenden Kühe doch melken ! — Mein Diener erscheint mit einer Kanne und will Milch zu meinem Abendthee haben. Zwei Leute müssen nun eine Kuh festhalten, und ein Dritter melkt. Das Tier aber gibt seine Milch nur her, indem ein Vierter ihm ein Stück Kalbfell unter die Augen hält. Offenbar soll damit die Vorstellung erweckt werden, als wenn das Kalb es Sei, welches am Euter trinkt. So gibt die wilde Kuh freiwillig nur ihrem Kinde, aber widerstrebend dem Menschen ihre Milch her. Nachdem das Rindvieh sich an jenen Schalen sattgetrunken hatte, kamen Ziegen und Schafe in sehr großer Menge mit ihren Hirten heran.

Prachtexemplare sind auch diese Tiere. Vielen Mutterziegen sind die Zitzen unterbunden, damit die bereits entwöhnten Lämmer die Milch nicht wegsaugen. Auch hier geht das Tränkgeschäft in bester Ordnung vor sich. Es ist ein Bild, wie herausgeschnitten aus der Patriarchenzeit des alten Testamentes.

Die Beobachtung dieser Szenen füllt meine Ruhepause von vier Stunden aus. Dann geht es um 3 Uhr weiter nach Agordat, wo wir um 5 Uhr anlangten.

Der Kommandant der Stadt, Kapitän Guastone Carlo, ist mir entgegengeritten und bewillkommnet mich in liebenswürdigerweise, einen Kilometer vor dem Eingänge in die Stadt. Auf Veranlassung Seiner Exzellenz hatte der Telegraph mein Kommen gemeldet. Kapitän Carlo geleitet mich nun auf die Zitadelle, wo ein Häuschen mit drei Zimmern uns angewiesen wird, zwei für mich, ein drittes nebenan für meine Diener; zugleich erfolgt die Einladung zum Diner auf 7 Uhr.

Eine Stunde also ist es, die mir noch gehört, um nach gründlicher Reinigung und dem Wechseln der Kleider angemessen zu erscheinen.

Ein Trompetensignal von der Zinne des Forts gibt das Zeichen zum Beginn der Mahlzeit. Die Tafel ist gedeckt auf der unteren Terrasse der Zitadelle in einer luftigen, aber höcht einfachen Veranda, welche aus Palmenzweigen geflochten ist. Vier Herren setzen sich außer mir zu Tisch, sämtlich italienische Offiziere, in jener leichten, bequemen, leinenen Uniform der Tropen. Sie leben hier meist unverheiratet, und bilden gemeinsame Menage in einem Kasino, wo es einfach, aber munter hergeht. Der Koch, ein Somali, hat außer der Suppe zwei Gänge und einen Nachtisch schmackhaft zubereitet. Wir unterhalten uns in französischer Sprache, deren die Herren hier meistens mächtig sind. Ich erfahre vieles aus ihrem einsamen Leben. Journale, Briefe kommen monatlich nur ein-42

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