Sudan Archive

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Material für die heimische Knopffabrikation bilden. Später kaufte ich auf dem Markte von Kassala kleine, von den Eingeborenen daraus gedrechselte Flakons in zierlicher Form, welche Arbeit meine Vermutung bestätigt. Die Früchte, in großen Massen vorhanden, gelten hier als wertlos.

Ich hatte um 11 Uhr vormittags am Ufer des breiten Flusses „Carobel“ absatteln lassen. Er ist ein Nebenfluß des Hauptstromes von Erythräa, des Chor „Barca“, von manchen Reisenden, wie zum Beispiel von Dr. Junker, auch „Baracca“ geschrieben. Aber auch sein Bett zeigt um diese Zeit nur eine tropfenlose Sanddecke. Wenn die Regen in diesen Breiten fallen, von Anfang Juli bis Ende Oktober, dann schäumt er, breit hinflutend, über die Ufer hin. Indessen, auch jetzt ist sein tieferer Schoß nicht gahenarm.

In seinem scheinbar trockenen Flußbette sind Brunnen aufgegraben, welche schon auf zwei Meter Tiefe das beste und reichlichste Trinkwasser liefern.

Die Schachtwände, aus feuchtem Sande und Lehm bestehend, sind zu ihrer Befestigung mit den biegsamen Zweigen des Aeben-Baumes ausgeflochten.

Braune, junge Hirten stehen paarweise über die Brunnenöffnungen gebeugt und schöpfen, indem sie ihre ledernen Beutel, welche an Stricken, geflochten aus schmalen Streifen des Palmenblattes, hängen, hurtig hinab -senken in die begehrte Flut. Dabei singen sie einen Wechselgesang. Der eine ruft: „Aeressö“, und der andere antwortet: „Nabi essem“. Das heißt in dem arabischen Dialekte der Beni-Amr: „Mohammed ist der Prophet, gesandt von Gott!“ — Immer wieder diese Kraft des Islam, welche auch die tägliche Arbeit mit einem Glaubensbekenntnisse verknüpft! Die vollen, heraufgezogenen Beutel gießen die beiden jungen Hirten aus in flache Schalen von 3 bis 5 Meter Durchmesser und 40 Zentimeter Tiefe. Sie sind auf dem Sandgrunde des trockenen Flußbettes aufgebaut und durch einen starken Rand aus Lehm umdämmt. Um eine ganze Reihe fortlaufender Brunnen zähle ich je zwölf solcher großen Schalen gruppiert. Und nun, um die Mittagsstunde, kommen die Rinder von allen Seiten herbeigelaufen, stellen sich um die Schalen und trinken. Dabei steht ein kleiner, nackter, brauner Junge in der Mitte des Beckens mit einer langen Rute in der Hand und hält auf Frieden. Wer von den Tieren seinen Nachbar wegstößt, oder gar seihst mit den Vorderfüßen in das Trinkwasser treten wollte, bekommt unweigerlich einen Schlag auf seinen Kopf. Es mögen wohl tausend Stück Rindvieh hier versammelt stehen, Prachtexemplare des „bos indicus“. Ich gestehe, kaum irgendwo in Europa so schönes, großes, wohlgenährtes Vieh gesehen zu haben, wie hier unter den Händen der Beni-Amr. Spiegelblank ist ihr huntgezeichnetes Fell, ohne den kleinsten Flecken, wie das stets dort der Fall ist, wo nicht eine unnatürliche Stallfütterung die Tiere ihrer Freiheit und somit der eigenen Sorge für ihre Reinlichkeit beraubt. Denn sich seihst überlassen, hält sich jedes Geschöpf sauber.

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