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Meine Aufmerksamkeit erregt auch ein anderer Baum von zierlichster Gestalt. Wie Kupfer leuchtend ist seine Rinde, feingefiedert und hellgrün, gleich unserem Lärchenbaum, ist die Belaubung; dazwischengestellt sind silbergraue Dornen und kugelrunde, goldgelbe, wohlriechende Blüten von der Gestalt und der Größe einer Kirsche. Es ist der Gummi spendende Baum Acacia triacantha.
Auch aus der Zahl der Eingeborenen zeigen sich wieder sehr interessante Gruppen. Ein Zug abessynischer Jünglinge kreuzt unseren Weg.
Sie tragen kreisrunde Schilde mit Elefantenhaut überspannt, langschäftige Speere und an den Hüften, in roten Lederscheiden, stark nach hinten gebogene Schwerter. Auf meinen Befehl ruft mein Askari sie heran. Nachdem ich ihrem Anführer zwei Franken geschenkt habe, gehorchen sie willig. Sie erzählen nun zunächst, daß sie auf einem Marsche ins nächste Dorf begriffen seien, um eine Braut abzuholen. Dann erbieten sie sich auch, den Brauttanz vor mir aufzuführen. Unter Gesängen, hüpfend und springend, werfen sie Schilde und Speere in die Luft, um dieselben alsbald geschickt wieder aufzufangen. Nun prüfe ich genauer ihre Waffen. Die Schilde sind die interessantesten Stücke. Die Speere sind auch einheimische Arbeit. Aber, als ich eines der langen, krummen Schwerter aus seiner roten Lederscheide ziehe, entdecke ich, auf der Klinge eingepreßt die Marke „Solingen“ ! — Sie ziehen ihres Weges! — Jetzt begegnet mir ein Mann zu Fuß, der ein völlig nacktes, braunes Kind in seinen Armen trägt. Ich halte ihn an, um das Kind, welches willig auf meinen Schoß folgt, näher zu betrachten. Er seihst hält über seiner Schulter einen Stab aus Tamarindenholz, an dessen Spitze gebunden ein Päckchen hängt, sorgsam in graues Leinen geschlagen. Was mag dieses enthalten? Vielleicht Briefe oder Amulette? Ich bitte ihn, es mir zu öffnen, und er zieht ein Buch heraus, auf dessen Titelblatt folgende Worte stehen: „Epistolae Apostolorum Domini nostri et Salvatoris Jesu Christi, Aethiopice et Amharice.
Basileae, C. P. Spittler. 1878.“ „Die Briefe der Apostel unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi, in’s Äthiopische und Amharische übertragen.“ — Basel 1878. — Das war des braunen Mannes vademecum Seltsam ! — Zwei Schwerter, eines geschmiedet in Stahl, das andere im Geiste, und beide deutschen Ursprungs, in den Händen dieser Eingeborenen. Man gestatte mir für dieses Mal, um des Vergleiches willen, das alte Basel in seiner Grenze etwas zu verrücken! — Manche dieser Täler, in denen ein erquickender Schatten wohnt, 31