über die zum Meere sich hinabsenkenden Terrassen des Hochgebirges von
Abessynien hinauf und ist ein Werk der italienischen Regierung. Durch
Einschnitte in die Fels- und Erdwände der Berge ist der Weg gewonnen.
Oft stützen ihn Substruktionsmauern. Kanäle führen die Bergwasser unter dem Wege durch. Hier schützen aufgeworfene Dämme, dort aus Holz er-
richtete Barrieren, dort angepflanzte Büsche von Feigenkaktus ihn gegen
den Abgrund. Seine Oberfläche ist teils gewachsener Fels, teils künstliches
Pflaster, teils abgewalzte Erde. Seine Breite ist so bemessen, daß zwei Wagen unter Vorsicht einander ausweichen können. Seine Länge beträgt
68 Kilometer. Ich legte ihn bergauf in einem leichten, mit zwei kräftigen
Maultieren bespannten Wagen in 17 Stunden zurück; bergab bedarf es nur
der Hälfte dieser Zeit. Das Gebirge ist durchweg bewaldet und zeigt die Pflanzen der sub-
tropischen Vegetation. Die Tierwelt besteht in Affen verschiedener Art,
welche unerschrocken am Wege sich zeigen, und dann in einer überaus
reichen \^ogelwelt. Leoparden und Hyänen sollen in den Talkesseln hausen,
doch bekam ich keine zu Gesichte. Die Serpentinen sind von kühnster Windung und eröffnen nach allen
Seiten hin die überraschendsten Ausblicke. Ich kenne verschiedene Kunst-
straßen der Erde. So die vortrefflich gehaltenen Wege, welche Norwegen
durchschneiden, dann die Gorniche, welche Nizza mit Mentone verbindet,
und die berühmte Straße, welche von Rio de Janeiro hinauf nach Petropolis
führt, der ehemaligen Sommerresidenz des brasilianischen Kaisers. Doch
ich gestehe, keine Kunststraße hat mich so überrascht und interessiert,
als diese.
Die offizielle Verbindung zwischeu Asmara und Massäua geschieht
durch einen berittenen Postboten für Briefe, welcher täglich, und dann
durch eine Fahrpost, welche wöchentlich dreimal hinabgeht, und ebenso
oft heraufkommt. Der mit einem Leinwandzelte überspannte, einfache Wagen faßt zehn Personen, welche für den Sitz 25 Franks bezahlen und
ein nur beschränktes. Gepäck mit sich führen dürfen.
Ich hatte meine Abreise von Massäua auf Mittwoch den 21. Januar
festgesetzt. Der Zug nach Majatäl geht nur einmal am Tage und verläßt Massäua um sechs Uhr abends. Cavalliere Salvadei hatte mir bei der
Verabschiedung gesagt, daß meine Beförderung Sorge der Regierung sei;
ich würde auf allen Stationen alles Erforderliche vorfinden. Er sandte
sogar Leute in das Hotel, um mein Gepäck nach dem Bahnhofe schaffen
zu lassen, und für mich selbst, so kurz auch die Entfernung nach dem
Bahnhofe war, seinen eigenen Wagen. Er persönlich war auf dem Bahn-
hofe „Taolud“, der seiner Residenz gegenüberliegt, zur Verabschiedung an-
wesend. Auf seinen Befehl mußte auch Herr Schimper in das für mich
reservierte Coupe einsteigen, um bis zur Endstation Majatäl mich zu be-
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