Der Fluß Setit, welcher unterhalb Tomät in den Atbara einmündet,
wird von dem Orte Abü-Gaml aus stromaufwärts verfolgt bis zu seinem
Zusammenflüsse mit dem Majeteb. Dann geht man diesen aufwärts, jedoch
in der Weise, daß der Djebel-Ala-Taküra noch an Erythräa fällt. Diese
Linie verfolge man ostwärts bis zu dem Punkte, wo die beiden Flüsse Mareb und Maj-Ambessa sich vereinigen. Letzteren dann aufwärts bis zu
seiner Quelle. Dieses ist jetzt die Scheidelinie Erythräa im Süden gegen
Abessynien hin. Nach Westen hin, gegen den ägyptischen Sudan, ist bestimmend
folgende Linie: Von Abü-Gaml in nordöstlicher Richtung über Sabderat
bis hin nach Hadaueb. Hier biegt die Grenze dann scharf nach Osten
um, schneidet bei Beled-Hakaldirbey den Barcafluß, und geht schließlich
in nordöstlicher Wendung auf das Vorgebirge Räs-Kasar zu. Daß bei solcher, nur teilweise berichtigten, Umgrenzung der Flächen- raum der Kolonie 247,000 Quadratkilometer mit einer Einwohnerzahl von
191 127 Köpfen betragen solle, wie die letzten amtlichen Berichte sagen,
ist eine Angabe von äußerst relativem Werte.
Die innere Verwaltung der Kolonie wird geregelt, unter Beseitigung
der mancherlei auf diesem Gebiete in den verflossenen siebzehn Jahren
geschehenen Mißgriffe, durch ein königliches Dekret vom 30. März 1902.
Dieses stellt an die Spitze von Erythräa einen mit weitgehenden Voll-
machten ausgestatteten Generalgouverneur, welchem nicht bloß die Zivil-
sondern auch die Militärbehörden unterstellt sind. Diese verantwortliche
Stellung bekleidet seit 1897 Ferdinando Martini. Das genannte Dekret
bestimmt außerdem die Stärke der Kolonialtruppen, teilt die Zivilbeamten
in drei Abstufungen und regelt deren Einkommen, sowie die Ansprüche
auf Urlaub.
Jenen oben bezeichneten kompakten Hauptteil von Erythräa hatte
ich nun die Absicht, von Ost nach West zu durchqueren, und zwar auf
der Linie Massäua, Asmara, Cheren, Agordat, Sabderat, Kassala. Uber
diese Strecken liegen sehr genaue Karten vor, herausgegeben von dem
Instituto Geographico Militare aus den Jahren 1890— 1897. Meine erste Etappe auf diesem Wege war „Asmara“. Asmara, Residenz des Generalgouverneurs von Erythräa, Mittelpunkt
für die Organe der Regierung und bedeutender Garnisonsort, ist zur Zeit
als die Hauptstadt der italienischen Kolonie zu betrachten.
Es liegt auf einem Hochplateau, 2400 Meter über dem Meere. Der Weg von Massäua hinauf bedingt also eine sehr starke Steigung. Er wird
zurückgelegt zunächst auf einer Eisenbahn, welche zur Zeit, etwa 30 Kilo- meter weit, bis Majatäl führt. An der Fortsetzung derselben arbeitet man
eifrig, und ist der Unterbau fertig bis Ghinda. Von Majatäl an benutzen wir heute noch die Kunststraße. Sie steigt
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