KAPITEL III.
Mein Aufenthalt in Massäua.
Als unser „Washington“ am 18. Januar, um 6 Uhr früh, in langsamer
Fahrt dem Quai von Massäua sich näherte, stand das Ufer von Farbigen
dicht besetzt. Aber diesen Volkshaufen fehlte die aufdringliche Lebhaftig-
keit, mit der sonst ein ankommendes Schiff in den orientalischen Häfen
begrüßt wird. Barken, von nackten Negern gerudert, denen nur ein knapper
Schurz die Lenden deckte, führten europäische Herren in Uniform heran,
die Brust mit Orden geschmückt. Es waren höhere italienische Beamte und Offiziere, welche sich beeilten, den ankommenden Generalgouverneur
zu begrüßen und zu seiner Bückkehr in die Kolonie zu beglückwünschen. An ihrer Spitze befand sich Cavalliere Giovanni Pietro Salvadei, Commissario
regionale di Massäua. Als die dienstliche Meldung desselben geschehen
war, stellte mich der Generalgouverneur dem Kommissar mit warmen Worten der Empfehlung vor, welcher darauf erwiderte, daß bereits ein
amtliches Schreiben aus Rom an ihn gelangt sei, welches ihn zur Unter-
stützung meiner Reise durch Erythräa auffordere. Das war nun ein reichliches Maß von Wohlwollen, für welches ich
nicht dankbar genug sein kann. Die Wirkungen sollten sich auch alsbald zeigen. Kaum hatte die Barke des Generalgouverneurs diesen Herrn an der Freitreppe des ägyp-
tischen Schlosses gelandet, so kehrte dieselbe zurück, um mich abzuholen. Der Sekretär des Kommissars war ihr Führer. Dieser Herr, welcher sich
sehr geläufig in französischer Sprache ausdrückte, geleitete mich in das
Hotel, wo mir Quartier gemacht war. Dann wurde mein gesamtes Gepäck,
ohne den Weg durch das Zollhaus zu nehmen, von Leuten der Regierung
ans Land und in mein Hotel geschafft. Alles für mich kostenlos. Nach-
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