Sudan Archive

dem ich ein wenig mich eingerichtet hatte, machte ich vor allem dem

Generalgouverneur, welcher, im arabischen Schlosse ahgestiegen, schon am Abende desselben Tages weiter nach Asmara reisen wollte, und sodann dem Kommissar Cavalliere Salvadei meinen Besuch. Dieser stellte mir

einen deutsch sprechenden Beamten seines Bureaus zur Verfügung, Herrn

Schimper, der, in Abessynien von einem deutschen Vater und einer farbigen

Mutter geboren, in den 40 Jahren seines Lehens Gelegenheit genug ge-

funden hatte, Land und Leute hier kennen zu lernen. Herr Schimper

sollte auf Befehl des Kommissars jeden Morgen sich in meinem Hotel

melden, um mich auf meinen Wunsch zu begleiten, wohin ich wollte. Da

dieser Mann, auf einer Schule in Karlsruhe einige Jahre unterrichtet, etwas von europäischer Bildung mit heimischer Erfahrung verband, so wurde er

für mich eine sehr erwünschte Quelle der Belehrung. Mein Unterkunftsort, der sich den stolzen Namen „Hotel Eritreo“

heilegte und gehalten wurde von einem aus Mailand stammenden Wirte,

entsprach nur den allerbescheidensten Bedürfnissen. Ein nacktes Zimmer

mit dem denkbar einfachsten Bette, nämlich einem Holzgestell, überspannt

mit Drell, darauf ein Laken und ein Kopfkissen. Außerdem eine wenig-

saubere Waschtoilette, ein Tisch, an welchem sich notdürftig schreiben

läßt, nebst dreien Rohrstühlen — das bildete die Ausstattung des elegantesten

unter den Zimmern des Hotel Eritreo.

In dem Speisesaal war ein Dutzend Tische aufgestellt, an denen

zirka 30 Herren der italienischen Kolonie um 12 Uhr ihr Frühstück, um

7 Uhr ihr Diner einnahmen. Von einem kleinen Blättchen las man die

Speisefolge ab, aus der einiges gewählt werden durfte. Bei fast gänzlichem

Fehlen von Gemüse gab es nur zähes, wenig schmackhaft zubereitetes

Fleisch und bessere Fische. Dann gute Früchte, aber doch eingeführt aus

Italien. Zwei dunkelfarbige frische Burschen, nur in lange weiße Hemden

gekleidet, warteten auf, Markus, ein koptischer Christ, und Mohammed, ein

Moslim. Letzterer, in seiner lebhaften Weise, führte am schnellsten die ihm gegebenen Befehle aus.

Unter den Arkaden, längs dem Kai, gibt es dann noch einige von

Griechen gehaltene Kaffeehäuser, in denen kühle Getränke nebst Thee,

Schokolade und Kaffee angeboten werden.

Das wären die Sammelpunkte des geselligen Verkehrs. — Wenn man

hier unter den Arkaden sitzt, so hat man den schönen Blick auf das Meer;

aber kein Zweirad fährt vorüber, kein Wagen, kein Reiter zeigen sich.

Pferde und Maultiere werden des teueren Futters wegen hier nicht ge-

halten. Keine Damen promenieren, da die italienischen Beamten meist

unverheiratet sind. Keine Zeitungen liegen aus, da, ein in Asmara er-

scheinendes Amtsblatt ausgenommen, Journale hier nicht herausgegeben

werden. Kein Stiefelputzerjunge bietet seine Dienste an. Nur Gondeln,

16

Text produced by OCR — report an error