Dennoch ist Massäua kein direkt ungesunder Ort. Fieber gibt es hier
selten. Belästigendes Ungeziefer, als Wanzen, Flöhe, Termiten, Skorpione,
Schlangen, giftige Spinnen und anderes Gewürm, im Inneren so zahllos,
ist hier fast unbekannt. Auf dem harten Korallenboden dieser vegetations-
losen Inseln Massäua und Taolud bewirkt keine absterbende Pflanzenwelt
die Malaria. Dazu ist die Luft ringsumher stark durchsetzt mit Salzteilen,
welche in antiseptischer Weise die Keime zu anderweitigen Epidemien
töten. Cholera und Pest, insonderheit auf dem jenseitigen Ufer Arabiens,
namentlich in dem Pilgerhafen Djedda fast endemisch, sind hier unbekannt. Womit jedoch die hierher kommandierten Offiziere und Beamten, die
eingewanderten Kaufleute und die Handwerker zu kämpfen haben, das ist
die nach und nach eintretende völlige Entkräftung, welche es notwendig
macht, daß dieselben von Zeit zu Zeit ihre hiesige Arbeit unterbrechen, um in der Alpenluft des nahen Hochplateaus von Asmara Wiederherstellung
zu suchen.
Die Insel Massäua, enthaltend den Kern der Stadt, liegt am weitesten von dem Festlande entfernt und besitzt einen Flächenraum von 1000 X 300
Metern. Ohne Zweifel wurde sie zuerst bebaut und gab daher ihren Namen
der Stadt. Von ihr führt zu der zweiten, dem Festlande näher gelegenen, und etwas kleineren Insel Taolud ein künstlich aufgeschütteter Steindamm von 440 Metern Länge, und von dieser führt dann wiederum ein zweiter Steindamm, indessen in der beträchtlich größeren Länge von 1030 Metern,
zu dem Festlande hinüber. Diese beiden Dämme, welche samt den Rändern
jener 2 Inseln den Hafen Massäuas nach Süden hin abschließen (nach Norden hin deckt ihn die weit vorspringende Halbinsel Gehrar), sind Ver-
bindungslinien bereits älteren Ursprungs und für den Verkehr, auch inner-
halb der Stadt, von sehr großem Werte. Es gibt hier nicht, wie in Tunis und in Kairo, ein ausgesprochen
europäisches Viertel, das sich auch räumlich gegen die alten arabischen
Siedelungen abgrenzte
5 sondern auf beiden Inseln, auf Massäua, wie auf
Taolud, finden sich neuere Bauten mit älteren arabischen Wohnungen unter-
mischt. Da jene indessen, mehr vorspringend, längs der Küste sich hin-
ziehen, so bekommt der zu Schiffe Anlangende von Massäua zunächst einen
vorwiegend modernen, und zwar sehr günstigen Eindruck.
Während auf der Insel Massäua die neueren Wohngebäude mehr dem Handel gewidmet sind, weshalb sich auch das Zollhaus in ihrer Reihe be-
findet, enthält die Insel Taolud vorherrschend die der Verwaltung dienenden
Bauten, welche durch Umfang, wie durch Gliederung, als recht bedeutend
ins Auge fallen. Gleich vorne an, auf der nach Norden zu scharf vor-
springenden Spitze, liegt, in überaus gefälligen maurischen Formen gehalten,
das sogenannte ägyptische Schloß, heute bezeichnet auch als Palazzo del Comando. Es ist ein Bau, aus den sechziger Jahren des verflossenen Jahr-
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