KAPITEL II.
Die Stadt Massäua.
Die Italiener lieben es, diese ihre junge Erwerbung mit dem alten
Venedig zu vergleichen. Sie wiegen sich in der Hoffnung, daß, wie jenes
alte Venedig in den Tagen seines Glanzes einst die Königin des Mittel-
meeres gewesen ist, so aus diesem Massäua eine Königin des Roten Meeres werden möchte. Das jugendliche Massäua steht ja an Umfang hinter dem
alten, in sich zerfallenden Venedig weit zurück, überragt es jedoch bedeutend
durch die Schönheit seiner Lage. Gleich der Lagunenstadt verteilt es sich
über Inseln. Es sind deren drei: Massäua, Taolud und das zwei Kilometer
südwärts liegende Schech Said. Dazu kommen noch die in nördlicher
Richtung vorspringenden beiden Halbinseln Gehrar und Abd-el-Kadr, welche
gleichfalls bebaut sind.
Indessen, was jener alten Inselstadt abgeht und hier so mächtig wirkt,
das ist der imposante landschaftliche Hintergrund; diese hohen Berge
Abessyniens, welche, hart an das Meeresufer herantretend, mit wuchtigen Armen, wie schützend, Massäua umfassen. Massäua gilt für einen der heißesten Plätze der Erde. In der Tat,
eine mit Wasserdämpfen erfüllte, fast siedende Luft, zu der sich höchst
selten eine erfrischende Windbewegung gesellt, lagert über diesen Dächern. Auch die Nächte, sonst in den Tropen von erheblich niedrigerer Temperatur,
verglichen mit den Tagen, bringen hier keine Abkühluug. Mein Thermometer
stand in diesen Tagen des Januars, auch des Nachts, auf 25 Grad -|- Reaumur. Und der Januar ist auch hier der kühlste Monat. Das wirkt auf die Länge
entnervend, zumal die Wärme in den Sommermonaten bis zu 40 Grad -j- Reaumur sich steigert. Das Leben wird dadurch hier zu einer Last für
diejenigen, welche aus gemäßigteren Zonen stammen.
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