Sudan Archive

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beginnt die Artillerie der Verbündeten ihr Zerstörungswerk. Von den Kanonenbooten her fliegen die Granaten und Schrapnells hinüber über die Seriba, erreichen die feindlichen Reihen, krepieren und schlagen dort ein. Dann beginnen die Salven der Schnellfeuergewehre der Infanterie sich zu entladen. Zentrum und linker Flügel der Verbündeten bilden bald nur noch eine einzige krachende, feuerspeiende Linie.

Die Derwische, so aus der Ferne gefaßt, stürzen schon, ehe sie herangekommen sind, in ganzen Haufen; doch, man sieht die zerrissenen Reihen sich immer von neuem schließen. Im Sturmschritte dringen sie vor, und ihr Kriegsgesang mischt sich, ohnmächtig verhallend, in den betäubenden Donner der Geschütze.

Obwohl wie die Fliegen sie fallen, so treten die Überlebenden doch stets wieder an die Stelle der Toten, um die Reihen zu schließen. Nun sind sie herangerückt, mit der kühnsten Todesverachtung, bis auf 500 Meter, einige Haufen sogar bis auf 200 Meter dicht vor die Seriba, in welcher die verbündeten Truppen noch immer hinter guter Deckung stehen.

Ein junger Emir, der eine weiße Fahne trägt, reitet einem völlig dezimierten Bataillone vorauf. Er blickt nicht rechts, noch links. Hinter ihm fallen nach und nach sämtliche Leute. Doch er reitet weiter vorwärts.

Sein Leib und sein Leben, sie scheinen gefeit. Da blickt er rückwärts, und sieht die Kameraden alle tot am Erdboden liegen. Nun pariert auch er sein Pferd und steigt ab. Die weiße Fahne stemmt er vor sich in die Erde, und steht so einige Augenblicke regungslos da. Dann bricht er, von Kugeln getroffen, zusammen. Aber mühsam richtet er sich wieder auf, umklammert den Schaft des heiligen Banners, nimmt dann eine knieende Haltung ein, und wendet das Gesicht nach Mekka! — In dieser Stellung spricht er sein letztes Gebet. Es war ein vornehmer Araber mit edlen Zügen in dem tiefgebräunten Gesichte, und kaum 30 Jahre alt. Von der Feuerlinie entfernt lag er kaum 150 Meter.

1 ) Nachdem das Feuer der Verbündeten eine Stunde lang, von 6 V2 bis 7V2 Uhr gedauert und erbarmungslos unter den Derwischen aufgeräumt hatte, erkannten diese die völlige Unmöglichkeit, die Seriba zu stürmen, und wendeten sich nun um, nicht etwa zur Flucht, sondern zu einem geordneten Rückzuge. Es waren ja allerdings nur Reste, welche jetzt wieder 0 Diesen schönen, so überaus charakteristischen, Zug verdanken wir der Darstellung des Herrn v. Tiedemann — (loc. cit. pag. 20 ff.) — dessen Bericht über den Verlauf der Schlacht bei Omdurmän überhaupt eine, ganz wesentlich aufklärende, Ergänzung bringt zu den Darstellungen aus englischen Quellen. (Supplement to the Handbook of the Sudan, edited in the intelligence Division war office). London 1899. — Jene weiße, blutgetränkte Fahne befindet sich in dem Besitze des Herrn v. Tiedemann, der sie später dem Toten aus der Hand nahm.

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