Facsimile · p. 231
August 1886 die gewaltsame Zerstörung der Stadt. Die Bürger mußten, unter eiliger Zusammenraffung ihrer Habe, binnen 3 Tagen sämtliche Wohnstätten dort räumen. Diese machte man dem Erdboden gleich und die Gärten wurden verwüstet. Chartüm lag nun 12 Jahre lang da, als ein Trümmerhaufen. Dafür blühte rasch auf die, jenseits aus dem militärischen Zeltlager sich entwickelnde, neue Stadt, hart am Westufer des vereinigten Nilstromes. Ihren Namen erhielt diese neue Stadt von dem benachbarten, unlängst eroberten, Fort Omdurmän. Die bisherigen Zelte und Strohhütten verschwanden nach und nach, um gefälligen Lehm- und Ziegelbauten Platz zu machen. Unter den durchweg einstöckigen Bauten erhob sich, als ein Reservatrecht, das in zwei Stockwerken aufgeführte Wohngebäude Abdullahis. Von seiner Zinne liebte es der Herrscher, dort am Abende lustwandelnd, über seine weithin sich streckende Residenz den stolzen Blick zu senden. Währenddessen erheiterten ihn, den Freund der Musik, die gefälligen Weisen seiner aus 50 Mann bestehenden, auf dem Platze unten konzertierenden, schwarzen Musikbande. Omdurmän besaß damals Raum für 300,000 bis 350,000 Einwohner, streckte sich von Ost nach West in das Land hinein in einer Breite von 5 Kilometern, entwickelte sich am Nil-Ufer in einer Länge von 11—12 Kilometern, und war hier durch eine starke und hohe, krenelierte Mauer, aus welcher Bastionen hervorsprangen, gegen einen Angriff, von der Fluß-Seite her gut gedeckt. Dagegen die dem Lande zugekehrte Seite blieb offen. Im Zentrum der Stadt lag hart an Abdullahis Hause der quadratische, von einer Mauer umschlossene Gebetsplatz (djämä), so groß, daß 70,000 Beter auf einmal dort ihre Knie vor Gott beugen konnten. Gewiß, ein imposanter Anblick ! — Unfern davon stand das Staats-Schatz-Haus (bet-el-mäl). Um das Andenken des verstorbenen Mahdi zu ehren, beschloß Abdullahi die Errichtung einer prächtigen Grab-Kapelle für ihn zu Omdurmän. Uber demselben Platze wurde sie errichtet, wo der Prophet verblichen und beerdigt war. Die Zeichnung zu dem Bau lieferte ein aus Chartüm herübergewanderter Baubeamter der früheren ägyptischen Regierung, namens Ismain.
] ) Das Baumaterial, sowie die dekorativen Ausstattungsgegenstände für das Innere, als Lüster, Kandelaber, Wandleuchter, stammten aus dem eroberten Palaste Gordons. Als der Bau beginnen sollte, schritt Abdullahi in eigener Person zum Flußufer hinab, hob einen der dort abgeladenen und behauenen Sandsteine auf seine Schulter und trug, in eigener Person, ihn den weiten Weg hinauf bis zum Bauplatze. Die Edlen (aschräf) folgten seinem Beispiele, das Volk, Männer, Frauen, Kinder, in langer Linie schlossen sich an. So arbeiteten die Leute an diesem Bauwerke fort, lediglich um einen Gotteslohn (minschän-Alläh) 5 denn nur der Bauleiter erhielt eine Bezahlung.
1 ) Slatin, pag. 474.
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