Facsimile · p. 230
Die Staatseinnahmen hatten unter dem verstorbenen Mahdi sich zusammengesetzt vor allem aus der gemachten Beute in gemünzten und ungemünzten Edelmetallen, dann aus dem Zehnten, gezahlt von den nicht Waffen tragenden Leuten, sowie aus Konfiskationen von Vermögensobjekten und aus Strafgeldern Verurteilter, als da waren Raucher, Trinker, Spieler. Da indessen mit dem zeitweisen Abschlüsse von Eroberungen die Einnahmen aus der gemachten Beute sich ganz erheblich einschränkten, so wurde eingeführt neben dem Zehnten auch die Kopfsteuer (fitera), erhoben bis auf den Säugling hinab, in der Form eines bestimmten Maßes von Getreide, oder eines Äquivalentes an Geld. Dann unterfielen die hei einem Sklavenverkaufe auszufertigenden Garantiescheine einer Stempeltaxe. Des Weiteren wurde die Fabrikation der Seife, eines Artikels, der in der mohammedanischen Welt wegen der üblichen warmen Bäder und der vielen vorgeschriebenen Waschungen einen starken Verbrauch darstellt, als Staatsmonopol erklärt, was die Anlage fiskalischer Fabriken zur Folge hatte.
Endlich wurde der Einund Verkauf des Gummis, dieses Hauptproduktes aus Kordofän, in die Hände des Staates gelegt, und warf eine hohe Rente ah.
Als Zeichen seiner Souveränität ließ Abdullahi auch Münzen schlagen. Schon unter dem verstorbenen Mahdi war dieses in einem beschränkten Umfange geschehen. Eine kleine Anzahl von Silber- und seihst auch von etlichen Goldmünzen war geprägt worden. Nun nahm das Geschäft einen größeren Umfang an. Doch wurden ausschließlich Silhertaler geschlagen, in Nachahmung des türkischen „Medjidie“. — Sie bestanden aus einer Verschmelzung von Silber mit Kupfer, anfangs im Verhältnis von 6 : 2, dann 5 : 3, dann 4 : 4. Und, als man darauf verfiel das Münzregal zu verpachten, anfangs um 6000 Taler, dann um 16 000 Taler Monatszahlung, sank diese Mischung auf 2y2 : 5 L /2 , ja seihst auf 1 Teil Silber zu 7 Teilen Kupfer hinab. Dennoch blieb die so verschlechterte Münze dem Zwangskurse unterstellt, und es mußte der Mahdi-Taler zum Preise von 20 Piastern = h l /2 Franks angenommen werden. Die widerstrebenden Kaufleute büßten mit Konfiskation ihrer Waren und mit Schließung ihrer Läden.
Durch diese fortgesetzte Verminderung des Silbergehaltes in den Talern erlitten alle Produkte und Fabrikate, sonderlich die von Ägypten eingeführten, eine sehr empfindliche Preissteigerung, was äußerst lähmend auf den Handel einwirkte. Der verstorbene Mahdi hatte nach der Erstürmung Chartüms den Plan gefaßt, diese Stadt zum Vororte auch seines Reiches zu machen. Das frühe Hinscheiden hinderte dessen Ausführung. Der von ihm ernannte Nachfolger war ganz entgegengesetzter Meinung. Abdullahi haßte Chartüm, als den ehemaligen Sitz der Regierung der Ungläubigen, und befahl im 190