Sudan Archive

Open the original scan

In Jahresfrist war das Werk vollendet, und stand in seiner imposanten Sehönheit da, die übrigen einstöckigen Wohngebäude und auch die zweistöckige Residenz Abdullahis weit überragend.

Auf quadratischem, massivem, aus behauenen Sandsteinquadern gebildetem Unterbau, von 12 Metern Länge und 10 1 /2 Metern Höhe, erhob sich eine achteckige Laterne, welche wiederum einen Zylinder trug, der in bedeutender Höhe als Kuppel abschloß. Diese letzteren drei Bauglieder waren gefügt aus gebrannten Steinen, welche eine hellabgetönte Mörtelschicht überdeckte. Den genannten Zylinder flankierten auf den 4 Ecken des Unterbaues 4 kleinere Türme. Und von der Spitze der Kuppel aus streckte sich in die Luft eine lange, vergoldete Lanze, umschlossen von drei goldenen Kugeln ; das Wahrzeichen der Mahdia, welches, in der Gestalt eines sich kreuzenden Lanzenpaares, auch auf den geschlagenen Münzen jener Zeit sich wiederholt. Das ganze Gebäude mochte eine Höhe von 30 Metern besitzen. Eine Steinmauer, deren Tore nur Freitags für die Pilger offen standen, umschloß die Kapelle. Der Vorbereitung zum Gebete dienten seitlich angebrachte Wasserbecken. Betritt man das Innere, so ergreift die Erhabenheit des Raumes. Außer Lüstern und Armleuchtern sah man nur den in der Mitte stehenden schlichten Katafalk, aus Holz gebildet, und mit einem schwarzen Tuche überdeckt.

So hatte der Mahdi ein, seinem Andenken geweihtes, würdiges Denkmal gefunden, zu dem hin die Pilgerfahrt, weither aus dem Sudan, bald für ein verdienstvolleres Werk galt, als der Gang nach Mecka! — Das Jahr 1888 war für die Regierung des Abdullahi ein besonders glückliches gewesen. Im Osten und Westen seines weiten Reiches machten seine geteilten Heere zu gleicher Zeit siegreiche Vorstöße. Abü-Anga, der sich vom Sklaven zu einem der besten Feldherrn des Mahdi-Reiches emporgeschwungen hatte, drang von Galabat aus tief in Abessynien ein und besetzte dort die Stadt Gondar, um nach deren Zerstörung mit reicher Beute heimzukehren. Als, bald darauf, König Johannes, Vergeltung übend, Galabat angriff, verlor er sein Leben, und, neben seinem Haupte, wanderten die erbeutete Krone , das Königsschwert und ein Handschreiben der Königin Viktoria von England, als Siegeszeichen, nach Omdurmän.

Gleicherweise im Westen, in Där-For, war die Fahne des Mahdi siegreich. Sultan Jusüf, ein Sproß des alteingesessenen, aber schon durch die ägyptische Regierung entthronten Königshauses, dem die För sehr ergeben waren, strebte nach Wiederherstellung seiner Königsmacht. Gegen ihn zog Etmän-walad-Adäm, ein Vetter Abdullahis, und trotz seiner kaum 20 Jahre ein tapferer Krieger, 1 ) sowie ein ausgezeichneter Reiter, dazu milde und freigebig gegen seine Soldaten. Er besiegte und tötete den 0 Slatin, pag. 437.

192

Text produced by OCR — report an error