Sudan Archive

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der englischen Besatzung plötzlich um, und nehmen den Kurs wieder nach Norden zu, ohne einen Angriff auf die feindliche Stellung der Mahdisten auch nur versucht zu haben.

Für diesen Rückzug sind doch nur zwei Gründe denkbar. Entweder hielten die Engländer sich nicht für stark genug, um jetzt schon den Kampf mit den Derwischen aufzunehmen, oder der General Wilson wollte, von diesem Punkte aus, nur mit eigenen Augen sich überzeugen, daß Gordons Flagge auf der Zinne seines Palastes zu Chartüm nicht mehr wehe; die Nachricht, er sei tot und die Stadt gefallen, also eine Wahrheit sei.

Gilt dieser letztere Grund, so entschleierte sich der Zweck der englischen Sendung als ein solcher, daß er lediglich der Person Gordons gegolten habe, und von vorneherein es feststand, die Garnisonen von Sennaar, von Kassala und der Äquatorial-Provinz, sowie die eingewanderten Europäer, ihrem Schicksale preiszugeben.

Dieser schleunige Rückzug der englischen Avantgarde gab jedoch dem Mahdi die Gewißheit, daß nunmehr der Sudan, ohne weiteren Kampf, ihm überlassen sei.

Und, in der Tat, es hat ja fast volle 14 Jahre gedauert, ehe die Engländer es wagten, wiederum an dieser Stelle zu erscheinen, um für den Tod ihres Landsmannes Gordon von den Mahdisten die Vergeltung sich einzufordern.

Doch nicht lange sollte Mohammed-Ahmed der Frucht seiner beispiellosen Erfolge sich erfreuen. Bereits nach 5 Monaten erkrankte er am Typhus. Die Körperfülle des Mannes hatte in der letzten Zeit so außerordentlich zugenommen, daß Slatin, aus 8 monatlicher Haft ihm vorgeführt, Mühe fand, denselben wiederzuerkennen. Diese Beleibtheit verminderte die Widerstandsfähigkeit seiner sonst so zähen Natur. Schon am 6ten Tage nach der Erkrankung wurden öffentliche Gebete für die Rettung seines schwer bedrohten Lebens angeordnet. Und am 7ten 'Tage mußten alle Hoffnungen schwinden.

Der Sterbende lag auf seinem Angareb, in einem von roten Backsteinen aufgeführten Zimmer. Das Lager umstanden seine drei Chalifas und die nächsten männlichen Verwandten. Seine Haupt-Gemahlin, Sidinnä Aischa (unsere Herrin Aischa), kauerte tiefverschleiert in einer Ecke des Gemachs auf der Erde. Da kreuzte der Kranke seine Arme über der Brust und sagte mit schwacher Stimme „Chalifa Abdullahi, Chalifet-es-sadik, ist durch den Propheten „zu meinem Nachfolger bestimmt. Er ist von mir, ich bin von „ihm. Wie ihr mir gefolgt seid und meine Befehle ausgeführt habt, „so haltet es auch mit ihm! Gott erbarme sich meiner!“ 1 ) q pag. 346. Slatin: „Feuer und Schwert im Sudan“.

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