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gangen. Er konzentrierte hierher seinen Angriff. Es war heim ersten Morgengrauen, daß die Derwische, die gezückten Schwerter in ihren Händen, hier die Verteidigungswerke umgingen. Das Wasser des durchwateten Flusses reichte ihnen kaum bis zum Knie. Nach einigen gewechselten Schüssen flohen die Verteidiger dieses gefährdeten Postens.

1 ) Die Soldaten der gesamten Verteidigungslinie, welche sich nun von den eingedrungenen Haufen im Rücken angegriffen sahen, übergaben sich dem Feinde, welcher ihnen Pardon versprach, meist ohne Kampf.

So fiel Chartüm in die Hände des Mahdi, beinahe ohne Schwertstreich. Die aufgestellte Behauptung, daß der ägyptische Divisions- General Ferratch-pächa, welcher an dieser schwächsten Stelle der Umwallung in jener Nacht das Kommando hatte, den Mahdisten das Tor Musalemmia geöffnet habe, muß als eine Verdächtigung zurückgewiesen werden. Ferratch war allerdings ein habgieriger Mann. So war er noch im Oktober 1884, in der Zeit gesteigerter Bedrängnisse, dem Gordon beschwerlich gefallen durch seine wiederholten Anträge auf Gehaltserhöhung. Seine bisherigen Monatshezüge von 100 Pfd. Stg. wünschte er gesteigert zu sehen auf 150 Pfd. Stg. Außerdem verlangte er Verpflegungsrationen für 8 Pferde und 10 Diener. 2 ) Allein Ferratch-pächa starb in jener Nacht der Erstürmung Chartüms einen ehrlichen Soldatentod. Wäre er ein Verräter gewesen, so hätte er ohne Zweifel die Neigung gehabt, und auch die Mittel gefunden, diesem Tode zu entgehen.

Furchtbar war das Gemetzel in den Straßen, welchem vor allem die in der Stadt wohnenden 51 Europäer,, dann die Türken und die Ägypter zum Opfer fielen. Es sollten die Einwohner gestraft werden dafür, daß, trotz mehrfacher Aufforderungen, sie sich nicht freiwillig ergehen hätten, und besonders auch, weil seitens der Bürgerschaft erlassene Proklamationen Zweifel an der göttlichen Sendung des Mahdi ausgesprochen hätten. Man gibt an, daß 10000 Menschen, auf beiden Seiten zusammengenommen, in jenen Tagen ihr Lehen dort ließen. — Es hatten die Szenen entfesselter Wut den ganzen Montag noch angefüllt. Dann aber, am Dienstagmorgen, wurde durch den Mahdi eine allgemeine Amnestie verkündigt.

Das Haupt Gordons, von einigen Derwischen sofort nach der Erstürmung überbracht, hatte man ihm zu Füßen gelegt. 3 ) Jenes edle Haupt des bedeutendsten und gefährlichsten unter allen seinen Feinden. 'Die Gesichtszüge noch im Tode von jener stillen Ruhe, J ) Slatin, pag. 323.

2 ) Gordon, Journ. I, pag. 282.

3 ) Die Szene, welche Gordons Sterben zeigen wird, kommt im nächstfolgenden Kapitel zur Darstellung.

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