Sudan Archive

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Inzwischen waren die Dinge ihren Gang weiter geschritten. Der Belagerungszirkel um das am westlichen Ufer des vereinigten Nils gelegene Fort Omdurmän, und auch um Chartum, zog sich immer enger zusammen.

Am 5. Januar 1885 hatte sich Omdurmän ergehen tmüssen. Dieses Fort war mit Mut und Ausdauer verteidigt worden von seinem Kommandanten, Ferrag-Ullug-pächa, einem sudanischen Offizier, welchem Gordon das Zeugnis gibt, daß er ein „gentleman“ sei. Er hatte bis auf das Äußerste widerstanden. Die Nahrungsmittel waren bis auf den letzten Rest im Fort aufgezehrt. Der ganzen Besatzung wurde übrigens vom Mahdi volle Verzeihung gewährt, was von hohem Edelmute und großer politischer Klugheit zeugt. — Dann wurde auch Chartum am 26. Januar 1885 erstürmt. Am Abend zuvor, es war der eines Sonntags, tönten lustige Weisen herab von dem Dache des Regierungs-Palastes, auf welchem, nach Gordons Befehle, eine Musikbande oftmals spielte, um den Bürgern Mut zu machen ; unter den Klängen stiegen auch Raketen in die Luft. Diese Abende am Nile sind von so tiefer, das Gemüt erfassender Friedensstimmung! — Da, in derselben Abendstunde, setzte der Mahdi beim Dämmerlichte über den Weißen Nil und begab sich zu seinen Belagerungstruppen, welche auf der Landseite, in einer Linie von ca. 12 Kilometern, Chartum umfaßten. Er sprach ihnen, in begeisternden Worten, Mut zu, und erteilte ihnen seinen Segen zur bevorstehenden Tat. Dann kehrte er, noch vor Tagesanbruch, auf die Westseite des Weißen Nils, in sein Lager, zurück. Die Bürger von Chartum schliefen ahnungslos der Katastrophe entgegen. Und die ägyptischen Offiziere, über deren Schlaffheit und Unzuverlässigkeit Gordon so oft in seinen Tagebuchsnotizen sich beklagt, versahen ihren Wachtdienst in gewohnter sorgloser Art.

Die Verteidigungswerke waren von Gordon, der selbst Ingenieur-Offizier war, in sachkundigster Weise angelegt und durch unterirdische Minen verstärkt. Sie hätten auch einem militärisch mehr geübten Gegner schwere Arbeit gemacht. Doch diese Linie besaß einen überaus schwachen Punkt. Er lag am äußersten Westende der Verteidigungswerke, dort, wo der Verhack mit dem Flußbette des Weißen Nils zusammenstößt. Der Weiße Nil, welcher abweichend von dem Blauen nur flache Ufer besitzt, legte jetzt im Januar, wo sein Sinken anhebt, an dieser Stelle, mit jedem Tage einen breiter und breiter werdenden Streifen des Landes trocken.

Gordon, von keinem europäischen Offizier unterstützt, konnte nicht überall zu gleicher Zeit sein, und, was er befahl, fand nicht immer die korrekte Ausführung. So waren auch an dieser Stelle die flüchtigen Ausbesserungsarbeiten nicht unter fachmännischer Leitung erfolgt. Dem Feinde indessen war dieser schwache Punkt durchaus nicht ent-11 * 163

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