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europäischen Offizier zu verschaffen, wie Slatin es war, einen Offizier, welcher dem in Chartüm nun völlig Isolierten und dort nur von unzuverlässigen einheimischen Kräften Umgebenen als von doppeltem Werte erscheinen mußte ! — Indessen der Konsul Hansall benutzte den zurückkehrenden Boten, um ihm zwei gleichlautende Schreiben in deutscher und in arabischer Sprache an Slatin mitzugehen, des kurzen Inhaltes, er möge zu einer Zwiesprach mit ihm, dem Konsul, in dem Fort Omdurmän Zusammentreffen.
Diese Schriftstücke wurden seitens Slatins dem Mahdi vorgelegt. Indessen die Erlaubnis zur Reise nach Omdurmän erfolgte nicht! Vielmehr es wurde Slatin in der darauf folgenden Nacht verhaftet, und in Eisen gelegt.
Der Grund dieser Verhaftung war gewiß nicht allein auf seiten des Mahdi die Empfindlichkeit darüber, daß Gordon ihm die Antwort auf 2 Anschreiben schuldig geblieben war; sondern vielmehr der Verdacht der Untreue. Es muß etwas von dem wahren Inhalte jener Briefe durchgesickert und in die Ohren der Machthaber gefallen sein. Darauf deutet hin eine Äußerung des Chalifa Abdullahi, welcher den gefangenen Slatin am Morgen nach seiner Einkerkerung im Gefängnisse aufsuchte. „Warst du gezwungen auch zu dem Inhalte deiner Briefe?“ 1 ) Dieser Verdacht fand eine für Slatin im höchsten Grade belastende Bestätigung nach der Erstürmung von Chartüm. Unter den hier erbeuteten Schriftstücken entdeckte man einen Parolebefehl Gordons an seine Offiziere, in welchem es hieß „Slatin schreibt mir, die Macht des gegen Chartüm anrückenden Mahdi sei nicht allzu stark, der bewaffnete Teil seiner Anhänger sei unzufrieden, und Mangel an Munition sei dort vorhanden ! — Slatin rät zum äußersten Widerstande !“ • Dieser verhängnisvolle Papierstreifen, welcher Slatins Doppelspiel allerdings widerspruchslos aufdeckte, hatte zur Wirkung, daß demselben nun dreifache Fußeisen angelegt wurden, welche eine 18 1t schwere Eisenstange verband; außerdem trat eine Verkürzung seiner Rationen ein.
Die Nachsicht indessen, daß nach Auffindung eines so schwerlastenden Beweismaterials man ihm den Kopf nicht vor die Füße legte, hatte Slatin lediglich dem Umstande zu danken, daß er ein Europäer war.
„Weil du ein Fremdling bist, habe ich dir verziehen, sonst „wärst du nicht mehr!“ 2 ) sagte zu ihm Abdullahi. Nach achtmonatlicher, peinlicher Haft fand Slatin seine Begnadigung, indem ihm gestattet wurde, mit der Hand auf dem Quorän, dem Mahdi von neuem den Treueid zu leisten.
*) pag. 310, Slatin: „Feuer und Schwert im Sudan.“ Leipzig 1896.
2 ) pag. 338, Slatin : „Feuer und Schwert im Sudan.“ Leipzig 1896.
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