Facsimile · p. 194
Gessi, in den Kämpfen um Där-For sich Lorbeeren verdient hatte. Nilaufwärts gingen sie nach Kaua, wo noch der Kommandant der Provinzial-Hauptstadt El-Obeid, der schneidige Reitergeneral Abdullahi, mit 2000 Mann zu ihnen stieß.
Dieses vereinigte Heer, in Stärke von 6000 Mann, marschierte dann, im Mai 1882, von Kaua aus in südwestlicher Richtung auf Gedir zu. Waren die bisherigen Kämpfe nur Scharmützel gewesen, hier galt es eine Schlacht. Und wohl niemand zweifelte damals an dem Siege der Regierungstruppen über die, in den Bergen hausenden, Rebellen; doch im Grunde alles nur kleine Leute, loses Volk, welches nicht viel zu verlieren hatte, während die Bemittelten, die Einflußreichen, von der Bewegung sich noch vorsichtig zurück hielten. Dazu welch eine ungenügende Bewaffnung!
In der rechten Hand einen langen Speer zum Nahkampfe, und zwei kurze Speere zum Werfen, am linken Arme einen Schild. Keine Feuergewehre, keine Artillerie; während die Regierungstruppen mit alledem auf das Beste versehen waren. Gewiß, es galt hier, die Kopfzahl abgerechnet, einen sehr ungleichen Kampf! — Und doch, das Überraschende trat ein; der Sieg fiel den Rebellen zu. Das schlecht angelegte und schlecht bewachte Lager der schlafenden Feinde wurde, nach einer finsteren Nacht, im ersten Morgengrauen von den Derwischen überfallen. Die überraschten, aus ihren Zelten im Nachtgewande stürzenden, Führer wurden niedergestochen, die zersprengten Haufen einzeln überwältigt. Auch der schneidige Reitergeneral Abdullahi verlor hier sein Leben. Groß waren die Folgen dieses Sieges. Geld und Pferde, Schuß- und Hiebwaffen, Kanonen und Munition, Proviant und Transportmittel, alles fiel den Rebellen in die Hände. — Nun kamen nach und nach auch die Reichen, die Grundund Heerdenbesitzer, die Großkaufleute und die Schechs herbei, und suchten die Anknüpfung mit Mohammed-Ahmed. Und dann, welch ein politischer Erfolg dieses! Seit 60 Jahren der unerhörtesten Knechtschaft hier der erste Mann aus dem Sudan, der es wagte, an diesem verhaßten Regimente der gelben Eindringlinge zu rütteln. Vollends ein Mann, der behauptete, er sei von Gott dazu gesandt! Denn nun sprach Mohammed dieses nicht bloß selber aus ; es begannen auch die Erfolge auf das Stärkste für ihn zu zeugen! — Dieser Sieg über Jusüf-pächa war für den Besitz von Kordofän im Grunde schon entscheidend. Die kleineren, durch das Land hin detachierten Militärposten, die Bureaus ihrer Verwaltung wurden von einzelnen Haufen der Derwische, die, bald beauftragt, bald auf eigene Verantwortung hin, ausschwärmten, nach und nach mit Leichtigkeit genommen. So blieb denn nur noch das Zentrum des Landes, die Hauptstadt El-Obeid übrig. Sie war gut befestigt, auf 154