Auf dem Paßbureau, wo wir einen gefälligen ägyptischen Beamten
fanden, wurde es doch, nach mancherlei Verhandlungen, erreicht, daß die
fehlenden Pässe für Hassan und Mursi denselben ausgestellt wurden. Die
Vorbedingung dafür war, daß ich mich schriftlich verpflichten mußte, keine
andere Richtung als die nach Massäua, Kassala, Chartüm einzuschlagen, meine Diener unterwegs nicht zu entlassen, und sie in jedem Falle auf
meine Kosten nach Kairo wieder zurückzubefördern.
Ich habe dieses hier so ausführlich erzählt, damit spätere Reisende,
die meinen Pfaden folgen, nicht gleich mir, unverschuldeter Weise, den-
selben Verlegenheiten anheimfallen. Hassan und Mursi, welche mit sich steigernder Sorge der Entwickelung
der Dinge gefolgt waren, fühlten sich wie erlöst, als sie ihre Papiere in
den Händen hielten. Auch ich war überaus froh. Das hinderte aber
nicht, daß wir alle drei ziemlich erschöpft, denn wir hatten bis dahin
nichts gegessen, gegen 5 Uhr, unter heißen Sonnenstrahlen, unser be-
scheidenes Hotel Bachet in den Docks erreichten. Da der „Washington“ um 7 Uhr abends auslaufen sollte, galt es nun
rasch, unser ziemlich umfangreiches Gepäck an den Quai zu schaffen, um
es dort in eine Barke zu verladen. Meine Leute, damit beschäftigt, waren
vorausgegangen. Ich begleiche die Rechnung und folge. Da kommt mir Hassan ganz aufgeregt entgegengelaufen mit der Meldung: „Man verwehre
ihnen die Einbarkierung.“ —
Zwei Neger, in Uniformen gesteckt, hatten sich tatsächlich der Ver-
ladung meiner Gepäckstücke in die Barke widersetzt und erklärten: „Dieses Gepäck müsse noch einmal aus den Docks in das Zollhaus nach Suez
überführt werden, damit man es dort zollamtlich untersuche.“ Das war nun wiederum durchaus unmöglich wegen der großen Ent-
fernung, der schlechten Verbindung und vor allem der mangelnden Zeit. Außerdem klang diese Forderung mir wenig glaubhaft!
Ich befehle also den schwarzen Soldaten, ihren Vorgesetzten herbei-
zurufen. Dieser kommt, und es beginnt nun wiederum eine Verhandlung,
welche darauf hinausläuft, daß ich meine Visitenkarte dem Manne über-
gebe, und die Anzahl meiner Gepäckstücke, nebst deren Bestimmungsort,
mit eigener Hand in die mir vorgelegte Liste eintrage. Man wird einräumen, daß dieser Tag meiner Abreise von Suez ein Tag der Verlegenheiten war.
Willkommen also du, mein Schiff, mit deiner viertägigen Ruhe, wo
nur die Glocke, welche zu den Mahlzeiten ruft, uns aufregen wird Der Kapitän des „Washington“ empfing mich überaus liebenswürdig. Er wies mir in der Mitte des Schiffes eine geräumige Kajüte zu meiner
alleinigen Verfügung an. Hassan und Mursi sind ganz in meiner Nähe
einquartiert.
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