eintreffen müßte, um die ausgefertigten Papiere für die „Bayern“ abzuholen, und luden mich ein, auf einem überdeckten Baikone, wo bequeme Sessel
standen, die kommenden Dinge abzuwarten. Hier hatte ich nun den hübschen
Blick auf das Meer und die gegenüberliegende Bergkette des Sinai, aber
mindestens auch 30 Grad Beaumur im Schatten, und meine verzehrende
Sorge im Herzen; da Stunde auf Stunde verrann. Herr Meyer junior kam endlich in einer zierlich ausgestatteten Dampf-
barkasse. Schnell hatte ich ihn mit meiner Notlage bekannt gemacht, und
er lud mich ein, ihn in dieser Barkasse nach der „Bayern“ hin zu be-
gleiten, wo ich seinen Vater, der in Agenturgeschäften noch dort weilte,
linden würde.
England, Frankreich, selbst das kleine Griechenland sind in Suez
durch Berufskonsuln vertreten — das mächtige Deutschland nicht! Und man macht, besonders weit draußen auf Beisen, noch öfters die Erfahrung, daß unser großes, starkes deutsches Beich in Bezug auf die Anzahl der von ihm geschaffenen Berufskonsulate noch weit hinter anderen, minder
kraftvollen Staaten zurücksteht. Herr Meyer empfing mich auf dem Schilfe in zuvorkommender Art und versprach mir seinen Beistand. Er äußerte seine Verwunderung darüber,
daß man mich in Kairo auf die seit fünf Jahren bestehende Verordnung
nicht aufmerksam gemacht habe, daß kein Ägypter ohne einen Erlaubnis-
schein des Gouvernements sein Vaterland verlassen dürfe. Und in diesen
Monaten, wo die Pilgerfahrten nach Mekka beginnen, würde diese Ver-
ordnung besonders scharf gehandhabt. Denn nach einer zweiten Be-
stimmung der ägyptischen Begierung muß jeder Eingesessene, welcher
nach Mekka pilgern will, jetzt eine Beisesumme von 50 ägyptischen
Pfunden = 1282y2 Franks nachweisen; da es oftmals vorgekommen ist,
daß mittellose Pilger in Arabien an Hunger und Durst zu Grunde gegangen
sind. Um nun diese etwas scharfe Bestimmung zu umgehen, suchen viele
arme Pilger, unter der Maske von Dienern, im fingierten Anschluß an
andere Beisende, ihr Vaterland in der Bichtung auf Mekka hin zu ver-
lassen. Daher diese strenge Handhabung der Paßrevision in Suez, be-
sonders um die gegenwärtige Zeit.
Dies erklärte ja nun vollkommen die Entschiedenheit, mit der man
die Beisepässe meiner beiden Diener verlangte.
Von Kairo waren jene Papiere in keiner Weise mehr zu beschaffen, und es fragte sich sehr, ob sie in Suez zu haben sein würden. Nach einer halben Stunde verließ ich mit Herrn Meyer und seinem
Gefolge auf der Dampfbarkasse die „Bayern“. Das schöne, weiße Schiff
hatte auch seine Anker gehoben und glitt, unter den Klängen der National- Hymne, an uns vorüber, der Kanalmündung zu. Wir aber steuerten nach dem Hafen von Suez.
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