Die Gesellschaft, fast ausschließlich Männer, setzt sich zusammen aus
Offizieren und Zivilbeamten, welche nach Massäua gehen, um in der
italienischen Kolonie Dienste zu leisten. Was aber besonders günstig für mich ist, der Generalgouverneur von Eiythräa, Exzellenz Ferdinando Martini, mit dem 5 Uhr- Zuge von
Kairo erwartet, wird die Fahrt gemeinsam mit uns machen. Ich habe
ein warmes Empfehlungsschreiben an ihn von seiten des italienischen
Gesandten in Kairo, kann dieses also hier an Bord überreichen, und
auf das ungezwungenste mit diesem einflußreichen Herrn mich bekannt
machen.
Ferdinando Martini, Nachfolger des Generals Baidissera, steht seit
1897 an der Spitze der Verwaltung der Kolonie Erythräa. Er ist der
erste Zivilist auf diesem einflußreichen Posten als Generalgouverneur.
Bisher hatte die italienische Regierung ausschließlich Generäle in dieser
Stellung verwandt, aber keine guten Erfahrungen damit gemacht.
Martini, nicht Jurist, sondern Philologe, war der bedeutendste Redner
in der Kammer zu Rom, zeichnete sich als Schriftsteller aus und gilt heute
für den zweitbesten Prosaisten des modernen Italiens. Im 62. Lebensjahre
stehend, macht er mehr den Eindruck eines Gelehrten, als eines Staats-
mannes. Auf einer hohen Gestalt ruht ein interessanter Kopf, umrahmt von schlichtgescheiteltem Silberhaar. Die Stirn ist hoch, Nase und Mund
sind edel geformt, das Gesicht bis auf einen dünnen Schnurrbart glatt
rasiert, die Augen blau und von freundlichstem Ausdruck. Seine Kleidung
ist kaum gewählt, und das ganze Auftreten überaus einfach. Auch wird von seiten der italienischen Schiffsgesellschaft ihm durch-
aus in keiner auffallenden Weise gehuldigt. Man bemerkt im ganzen einen
stark demokratischen Zug in dieser Gesellschaft. So plaudern auch die
jüngeren Offiziere und Zivil-Beamten ganz ungezwungen in seiner Gesell-
schaft.
Als ich an der Abendtafel erschien, überraschte es mich, daß der
Kapitän die Reihe der Offiziere unterbrochen hatte, um mich in die un-
mittelbare Nähe des Generalgouverneurs zu setzen. Nachdem der letzte Gang serviert war, benutzte ich einen schicklichen Augenblick, um ihm
jenes Einführungsschreiben zu überreichen und einige Wünsche daran zu
knüpfen. Bei diesem Vortrage hatte ich mich der französischen Sprache
bedient. Er erwiderte in eben derselben Sprache, und zwar vollkommen
fließend, um mir bereitwilligst seine volle Unterstützung für mein Reise-
unternehmen zu versprechen.
So glitt der erste Tag dahin! —
Die junge Sonne steht wieder strahlend über dem Roten Meere. Das Deck ist nach allen Seiten hin geschützt durch doppelte Zeltwände.
Die meisten haben weiße Tropenkleidung angelegt und ruhen, lang aus-
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