Facsimile · p. 188
KAPITEL XXIII.
Mohammed-Ahmed-el -Mahdi.
Den Arabern, als Semiten, eignet von Natur eine sehr starke Beanlagung für Religion. Dieser ihrer Naturanlage kommt entgegen der Islam, welcher die Lehre von der Einheit Gottes, als Weltenschöpfers und Weltenregierers, in schärfster Fassung und in denkbar einfachster Form ausspricht.
Mit welcher Kraft der Überzeugung jene Stämme diese Lehre einst ergriffen, beweist die Geschichte ; mit welcher Herzenswärme sie noch heute an derselben festhalten, in fleißigster Übung der Kultusformen, welche an diese Lehre sich knüpfen, bestätigt jeder, der mit offenen Augen in ihrer Mitte gelebt hat.
Nirgendswo, als wie im Oriente, decken sich so sehr die politische und soziale Autorität mit der religiösen. Das Haupt einer Familie, der Schech eines Stammes, genießen einen Gehorsam, eine Achtungsbezeugung, welche an religiöse Scheu streifen. Wer diesen Stämmen sich naht im Gewände eines Gesandten Gottes, und solchen Anspruch zu beweisen vermag durch die überzeugende Kraft seiner Rede, sowie durch den Erfolg der von ihm erstrebten Tat, kann sicher sein, daß Millionen der Herzen ihm zufallen.
Mit solchem Ansprüche trat auf Mohammed-Ahmed, der Mahdi, auf der Insel Aba im Weißen Nil, nach Schluß des Ramadhän-Monates im Jahre 1881. Und kaum waren 4 Jahre verflossen, da lag der ganze ägyptische Sudan zu seinen Füßen. Er gebot über ein Territorium von 2,700,000 Q Kilometern und über eine Bevölkerung von 18 Millionen Seelen, als ein unbeschränkter weltlicher und geistlicher Fürst.
Inwieweit eine göttliche Offenbarung tatsächlich an der Bildung seines 148