Facsimile · p. 179
Chedive Ismael-pacha, klärt das gesamte obere Nilbecken weiter auf und erwirbt für die ägyptische Regierung sämtliches, dazugehörendes Land bis zum 2ten Grade nördlicher Breite. In dieser 4jährigen, teils aufklärenden, teils administrativen Tätigkeit, von 1869— 1872, wird Sir Samuel Baker der Schöpfer der Aquatorial-Provinz, welche fortan, als ein selbständiger Verwaltungsbezirk, dem ägyptischen Sudan zur Seite tritt.
Diese Expedition Bakers hatte indessen der ägyptischen Regierung 20 Millionen Franks gekostet.
Zählen wir dazu noch das im Jahre 1874 für die ägyptische Regierung eroberte Westland Där-För, so haben wir die ganze Karte dieses weiten und verhältnismäßig rasch und leicht erworbenen Länder-Komplexes vor Augen.
Ägypten hatte durch diesen Zuwachs eine ungeahnte territoriale Ausdehnung, und, in der Wage der Politik, ein besonderes Gewicht gewonnen.
In Deutschland wurde das Verständnis, wie das Interesse, für diese Länder besonders gefördert durch die beiden Forschungsreisenden Professor Dr. Georg Schweinfurth und Dr. Wilhelm Junker. Schweinfurth 1 ), reisend in den Jahren 1868—71, klärte auf die Gegenden im Flußgebiete des Bahr-el-Ghasel, zwischen dem 3ten und 8ten Grade nördlicher Breite. Und Junker 2 ), reisend in den Jahren 1875/1878, sowie 1879—1885, erforschte die Länder in mehr südwestlicher Lage, im Quellengebiete der Zuflüsse des Congo, zwischen dem 2ten und 6ten Grade nördlicher Breite. Und diese für Ägypten neuerworbenen Länder waren nicht etwa unfruchtbare Steppen, sondern reich an natürlichen Erzeugnissen. Ein fast jungfräulicher Boden, leicht zu bewässern und mit einer friedfertigen Bevölkerung. „Wenn diese Gegend in zivilisierte Hände kommt, wird sie die reichste des Kontinents sein. Darum, den Sudan opfern, hieße die Kornkammer der Welt verschleudern!“ so urteilt Sir Samuel Baker. Man kann es dem so prachtliebenden, wie ehrgeizigen Chedive Ismaelpacha nicht verdenken, wenn er, an die Spitze dieses glänzenden Besitzes gestellt, eine Zeitlang die Errichtung eines mittelafrikanischen Kaiserreiches plante.
Allein, mit der so raschen Eroberung hatte die Organisation der inneren Verwaltung keineswegs gleichen Schritt gehalten. Und es zeigte sich einmal wieder, wie viel leichter es ist, zu gewinnen, wie viel schwerer aber, das Gewonnene weise zu nützen und zu beherrschen. Es mißglückte der ägyptischen Regierung völlig, die Verwaltung dieses Sudan auf einen befriedigenden Stand zu heben.
Zwei Hinderungsgründe traten ihr entgegen.
9 Dr. Georg Schweinfurth : „Im Herzen von Afrika“, 2 Teile, Leipzig 1874.
2 ) Dr. Wilh. Junker: „Im Sudan“, 1 Teil, Leipzig, ohne Jahreszahl. — 139