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Er liegt stromaufwärts, von Wädi-Haifa entfernt 12—14 Kilometer, also keineswegs in bequemer Lage. Wenn Baedekers Reisebuch vorschlägt: „Man lasse sich die Kamele, oder Esel, nach den Tempelruinen auf dem West-Ufer kommen, wohin man mit Boot fährt!“ (pag. 378, 5. Aufl. 1902.) — so ist ersteres unausführbar, weil es an Transportmitteln fehlt, um solche Tiere hier über den breiten Strom zu setzen. Sodann sind die zur Verfügung stehenden Reitesel in Wädi-Halfa derartig schwach und schlecht ernährt, daß man von ihnen durchaus nicht einen Weg von 14 Kilometern hin, und dieselbe Strecke wiederum zurück, an ein und demselben Tage verlangen kann. Sie würden auf der Reise zusammenbrechen. Es bleibt nur übrig die Bootfahrt! — Und für eine solche verlangte wenigstens Herr Loiso £ Stg. 1. In dem Wunsche nun, nähere Erkundigungen über diesen Gegenstand einzuziehen, ging ich abends in ein Kaffeehaus und lernte dort kennen zwei italienische, hier am Orte ansässige, Herren, welche in liebenswürdigster Weise mir eine gemeinsame Fahrt dorthin vorschlugen und zwar schon für den nächsten Morgen. Sie erboten sich, ein gut bemanntes Fahrzeug zu mieten, und versicherten, daß ein solches schon für 60 Piaster = 16,20 Franks zu haben sei. Der eine der beiden Herren hatte als Artillerie- Offizier in Massäua gestanden, und wir besaßen demnach durch meine Kenntnis dieses Platzes, sowie des übrigen Kolonialgebietes eine Reihe von Anknüpfungspunkten. Das Unternehmen verlief, wie geplant. Ich habe den zweiten Nil-Katarakt auf diese Weise kennen gelernt. Doch brauchten wir zur Fahrt hin und zurück, nebst einem nicht langen Aufenthalte daselbst, volle 10 Stunden. Es ist möglich, mit dem Boote so dicht an die Strömung heranzukommen, daß man auf einem kurzen, nicht zu unbequemem, Fußwege einen Sandberg ersteigen kann, welcher auf dem Westufer den Katarakt, etwa um 300 Fuß, überragt. Der Gipfel dieses Hügels, aus dem eine Sandsteinplatte hervorbricht, bildet ein Belvedere, von dem aus der weithinreichende Blick sich öffnet über die Klippen von schwarzem Syenit und die dazwischen sich schlängelnden, viel verzweigten, Wasseradern. Auffallende Strudel, oder Kaskaden dagegen zeigen sich nirgends. Kaum eine jener dunklen Klippen erreicht übrigens eine derartige Höhe, daß sie zur Zeit der Nilschwelle nicht sämtlich glatt vom Wasser überdeckt würden. Da jeder Baumwuchs, sowie jede menschliche Siedelung hier fehlen, so hat man vor sich ein Bild, welches lediglich durch seine Weite, seine Ode, sein Schweigen und sein krauses, dunkles Gestein, übergossen von dem blendenden Sonnenlichte, zu fesseln vermag. Kennt man den ersten Katarakt zu Assuan, welchen ich für den eindrucksvolleren halte, so wird man nichts entbehren, diesen zweiten nicht gesehen zu haben.

Um von Wädi-Halfa nach Assuan weiter zu gelangen, ist man zur 9* 181

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