Sudan Archive

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Der Pilgergang zu diesem Grabe hin wurde sehr bald für die Bewohner des Sudan ein verdienstvolles Werk, und ward höher eingeschätzt, als selbst eine Reise nach Mekka. Die hier soeben beschriebene Kubba wurde am 2. September 1898, als nach dem gewonnenen Siege bei Kerreri die englischen Kanonenboote sich vor Omdurmän legten, das Ziel ihrer Schüsse. Doch erhielt sie an diesem Tage nur an zweien Stellen starke Durchlöcherungen, ohne zusammenzustürzen. Ihre gänzliche Zerstörung erfolgte erst später durch Lord Kitchener, welcher den Bau niederreißen, den Katafalk verbrennen, das Grab aufgraben, die Gebeine zerstreuen ließ, und den Schädel, wie man sagt, nach London sandte.

So sieht man heute zwischen den stehengebliebenen vier Umfassungswänden des wuchtigen Unterbaues, welcher dem Zerstörungswerke wohl trotzte, nur noch einen Schutthaufen.

Mögen es politische Gründe gewesen sein, welche die Engländer bestimmten, diese Wallfahrts-Stätte des Islam ihres Glanzes zu berauben, immerhin bleibt es eine unedle, eines tapferen Mannes wenig würdige Tat, gegen die Toten Krieg zu führen.

Anders dachte Karl V., welcher, einst in Wittenberg am Grabe Luthers stehend, von seinem Gefolge zu einer ähnlichen Handlung angestachelt wurde. Er lehnte diese Zumutung ab mit der Erklärung: „Ich führe Krieg gegen die Lebenden, nicht gegen die Toten!“ Und der durch den edlen Lord beabsichtigte Zweck ist nicht einmal erreicht worden; vielleicht sogar das Gegenteil. — Denn man erzählte mir, daß die Eingeborenen des Nachts zu jenem Trümmerhaufen sich hinschleichen, den Staub schöpfen, mit Wasser ihn mischen und alsdann trinken, als einen Trank zur Leibeskräftigung und zur Glaubensstärkung. Am 2. September 1898 senkte sich die Fahne des Propheten über Omdurmän, und es stieg die englische Flagge neben der ägyptischen auf.

Eine in der neueren Geschichte des Islam einzigartige und hochbedeutsame Epoche, welche achtzehn Jahre lang Afrika bis in sein Herz hinein tief aufgewühlt hatte, hatte damit für jetzt ihre Endschaft erreicht.

Nicht weit von diesem zerstörten Mausoleum befindet sich das Arsenal — (bet-el-mäl) — ein größerer quadratischer Bau von nur einem Stockwerke, wo zur Zeit der Derwischherrschaft, außer dem Waffenmaterial, auch der Staatsschatz aufbewahrt wurde. Herr von Tiedemann, welcher, attachiert an das Hauptquartier des Oberkommandierenden, Sir Herbert Kitchener, die Schlacht bei Kerreri, den 2. Sept. 1898, mitfocht, und in den Tagen nachher, wie Omdurmän, so auch dieses bet-el-mäl genauer besichtigte, rühmt die darin von den Chalifen aufgespeicherten herrlichen Waffen indischer, saracenischer, mameluckischer Herkunft. Er sah dort Helme und Panzerhemden noch aus der Epoche der Kreuzzüge, die sich in 124

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