Facsimile · p. 161
jenem trockenen Klima merkwürdig gut erhalten hatten; dann auch Waffen aus der bonapartistischen Zeit.
1 ) Auch heute noch dient das wohlerhaltene Gebäude dem gleichen Zwecke. Der Eintritt ist ohne weiteres, nach Meldung an der Pforte, gestattet. Man sieht hier aus der Derwischzeit, nachdem das Wertvollste in alle Winde zerstreut ist, noch einen kleinen Waffenrest, als Flinten, Pistolen, Lanzen, Pfeile, buntbenähte Pöcke und kann, unter Umständen, auch Stücke davon käuflich erwerben. Ebenso wird die Staatskarosse des Mahdi hier aufbewahrt und gezeigt. Es ist ein halbverdeckter Wagen, ausgeschlagen mit orangefarbenem Tuche, an dem jetzt die Motten nagen.
Dieses sind die historischen Stätten Omdurmäns aus der Zeit der Mahdia Von dem heutigen Omdurmän wird den Fremden hoch interessieren der sehr belebte Markt im Mittelpunkte der Stadt. Wurden unten am Nilufer, welches wir am Morgen besuchten, Rohprodukte feilgeboten, so hier Industriewaren, darunter auch solche afrikanischen Ursprungs. Wir finden Spieße und Schilde, Bogen und Pfeile, Geräte aus Elfenbein und aus Ton neben feinen, farbigen Flechtarbeiten. Hervorragend sind aber die Filigrane aus Silber. Man findet in wohl 30 Werkstätten, welche nebeneinander eine Straße entlang laufen, reichste Auswahl an Armspangen, Ringen, Ketten, Quasten, Dosen, und zwar zu sehr mäßigen Preisen. Nach dem hier Mitgeteilten wird man schließen können , daß der Besuch von Omdurmän ein in jeder Beziehung sehr lohnender ist, und daß man hier ein weit größeres und dankbareres Feld für seine Forschung findet, als in Chartüm. Weil indessen in Omdurmän jede Fremdenherberge fehlt, wird der Reisende, gleich mir, sich gezwungen- sehen, dennoch Chartüm zum Ausgangspunkte seiner täglichen Besuche hier in Omdurmän zu wählen.
Um so bedauerlicher ist es, daß die Tage von Omdurmän gezählt zu sein scheinen. In zehn Jahren steht hier auf dieser Uferstelle des vereinigten Nils vielleicht kein Stein mehr auf dem anderen. Denn Englands Politik ist es, Omdurmän zu zerstören, um Chartüm zu heben, oder vielmehr Chartüms Vorstadt Halfaya, welches ihm gegenüber, zur Zeit noch in sehr bescheidenen Anfängen, auf dem nördlichen Ufer des Blauen Nils liegt. Vom Januar dieses Jahres ab findet zum Beispiel die Verzollung der aus Kordofän, dem Hinterlande von Omdurmän, hierher zusammenströmenden Rohprodukte, als Gummi, Elfenbein, Straußenfedern, Getreide, welche, wie wir sahen, auf dem dortigen Markte lebhaft gehandelt wurden, nicht mehr in Omdurmän statt, sondern nur noch in Halfaya.
*) v. Tiedemann : „Meine Erlebnisse im Hauptquartier Lord Kitcheners‘% Beiheft z. Mil.-Wochenblatt 1904. 1/2 Heft. — pag. 29. — 125