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lassen. Dann wurde im Jahre 1836 diese Kamelspost ersetzt durch eine

Diligence, welche regelmäßig zwischen Kairo und Suez fuhr, um neben den

Briefen nun auch die Beförderung von Personen zu übernehmen. Dieser neue Weg hatte einen solch großen Erfolg, daß man im Jahre 1857 sich

entschloß, den bereits von Alexandrien nach Kairo geführten Schienenstrang nun auch bis Suez zu verlängern. So war für Briefe, wie auch für Personen,

der abgekürzte Weg nach Indien hin, durch die Einrichtung einer festen

Linie gesichert. Dieser Verkehr schwoll von Jahr zu Jahr immer mächtiger an. Da erfolgte im Jahre 1859 der erste Spatenstich zu dem von Lesseps

projektierten Kanäle. Dank der Förderung des einsichtsvollen Chedive

Said Pascha ward in zehn Jahren die neue Wasserstraße fertig gestellt.

Mit einem Pomp, der 100 Millionen Franks verschlang, erfolgte ihre Er-

öffnung durch Ismael Pascha am 17. November 1869. Aber trotz alles

Jubels hatte man wenig Vertrauen auf die Bentabilität dieses Unternehmens. Bekannt ist folgendes Wort des ehemaligen Staatssekretärs Stephan, welcher

der Kanaleröffnung beiwohnte : „Niemand würde wohl solch ein Narr sein, und sein Geld in Kanalaktien anlegen!“ — In Abschnitten zu 500 Franks

ausgegeben, sanken diese Papiere allerdings während des Kanalbaues auf

150 Franks; haben indessen heute einen Wert von 3877 Franks (Notierung vom 8. Januar 1903); und in den unterrichteten Finanzkreisen Kairos hegt man die Erwartung, daß sie in sechs Monaten den Stand von 5000 Franks

erreichen werden. Denn im Jahre 1901 warf das Unternehmen einen Uber-

schuß von 65 Millionen Franks ab. In diesem Jahre passierten den Kanal

allein 511 deutsche Schiffe, welche dafür 16 Millionen Franks an Gebühren

der Kanalgesellschaft zahlten. Aber die genannten Papiere sind heute nicht

nur gesuchte Wertstücke, sondern gelten äuch als heißbegehrte Quellen

politischen Einflusses.

Ägypten, welches für den Kanal am meisten geopfert — Said Pascha

zeichnete 176,602 Stück Aktien und stellte als Arbeiter 25,000 Fellachen

in dreimonatlicher Ablösung gegen äußerst bescheidenen Lohn —

, hat gleich-

wohl von dieser neuen Wasserstraße den geringsten Gewinn. Früher zog

Kairo aus dem Transitverkehr bedeutenden Nutzen, jetzt rollt dieser Ver-

kehr an ihm vorüber, ohne einen Segen zu hinterlassen. Und .den politischen

Einfluß, welcher an den Besitz des Kanals sich knüpft, hat ihm England

entwunden. Seit dem 13. September 1882 (Schlacht bei Tel-el-kebir) hat

es sich in Ägypten festgesetzt, dem Versprechen nach „auf Zeit“. Aber

es ist wohl sehr fraglich, ob das Wort Gladstones, einst im Parlament ge-

sprochen: „Schön ist es, Ägypten zu halten; aber noch schöner ist es,

unser Wort zu halten“, heute in London noch Anklang findet. — Und die

176,602 Kanalaktien, welche die Familie des Chedive einst besaß, hat eben-

falls England, eine der vielen Geldverlegenheiten Ismael Paschas ausnutzend, im Jahre 1875 in aller Stille an sich gebracht, und zwar für den geringen

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