Mursi, ein kräftiger Beduine, also Vollblutaraber, war mit den beiden
Zelten, deren Einrichtung und den übrigen größeren Gepäckstücken auf
der Eisenbahn über Ismailia nach Suez vorangegangen. Ich selbst, begleitet von meinem langjährigen, erprobten ersten Diener Hassan-Aly-Manzur, der
das kleine Gepäck unter sich hatte, folgte am 13. Januar nach. Wir hatten Kairo um 11 Uhr des Morgens mit dem Schnellzuge ver-
lassen und stiegen, nach sechsstündiger Fahrt, des Abends um 5 Uhr in
Suez aus. Der Schienenweg dorthin macht einen unverhältnismäßig großen Bogen nach Norden, der die Entfernung zwischen beiden Orten, verglichen
mit deren Luftlinie, mehr als verdoppelt. Suez, gelegen an der Sohle des
gleichnamigen Golfes, welcher die Halbinsel des Sinai im Osten begrenzt,
hat seit der Eröffnung des Kanals viel an seiner Bedeutung verloren. Früher war es der Verproviantierungsort für die den Kanal durchfahrenden Schiffe.
Jetzt versieht dieses Geschäft das aufblühende Port-Said. Die Dampfer
halten sich in Suez nur wenige Stunden auf, um die nötigen Formalitäten
zu erfüllen. Die Einwohnerzahl ist demnach stehen geblieben auf 17,552
Seelen, darunter 4000 Europäer, und unter diesen 28 Deutsche, in mittlerer
Lebensstellung, während das jüngere Port-Said bereits 40,000 Einwohner
zählt. Der Name des Ortes ist neueren Ursprungs. Unter den Ptolemäern
hieß er „Klysma“.
Die Stadt liegt, in zwei Teile geschieden, zunächst auf einer vor-
springenden Landzunge, und dann auf einer davor gelagerten kleinen Insel von ca. 20 Hektaren Größe. Beide verbindet ein ca. 3 Kilometer langer und 15 Meter breiter Steindamm, über den neben einem Fahrwege ein
Schienenweg hinläuft. Diese Insel enthält die Kopfstation der von Kairo kommenden Eisenbahn, sowie die Hafenanlagen, die Dienstwohnungen des
Personals der Kanalgesellschaft und die Docks. Das hier liegende Hotel
Bachet, eine bescheidene, aber reinlich gehaltene Herberge, würde schon
seiner Lage wegen, als dem Einschiffungsplatze der Dampfer am nächsten,
den Reisenden zu empfehlen sein.
In der Avenue Helene befindet sich ein von Gartenanlagen umgebenes Denkmal, auf Lesseps Veranlassung, errichtet. Dieses ist eine schlichte
Bronzebüste, und sie erinnert an den Engländer, Leutnant Waghorn! An
den Namen dieses verdienten, doch im Leben wenig belohnten, Mannes
knüpfen sich die ersten Versuche, den weiten, um das Kap der guten
Hoffnung hinlaufenden, Weg nach Indien abzukürzen. Er war es, der im
Jahre 1829 seiner Regierung den Vorschlag machte, durch die Einrichtung
einer Kamelspost zwischen Alexandrien und Suez zunächst die Korrespondenz
für Indien über Ägypten zu leiten. Es bedeutete dieses für die Entfernung
zwischen London und Bombay einen Gewinn von 1200 geographischen
Meilen. Hand in Hand damit ging der Versuch, den ersten Dampfer „Hugh
Lindsay“, über das Rote Meer hin, zwischen Suez und Bombay laufen zu
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