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dient zur Zeit als Quartier einem englischen Militärärzte, welcher bereitwillig die Besichtigung der Zimmer und Höfe mir gestattete. Interessant sind das Badezimmer mit seiner Wasserleitung, sowie der Saal, in welchem der Chalif seine Audienzen an Besucher und Bittsteller zu erteilen pflegte. Aus der Pforte dieses seines Hauses tretend, befand sich der Mahdi unmittelbar auf jenem weiten Gebetsplatze, und hatte nur etwa zwanzig Schritte bis zu dem für seine Andachtsübungen reservierten Pavillon. Etwas seitwärts, ebenfalls an diesen Gebetsplatz grenzend, befindet sich das Mausoleum des ersten Chalifen Mohammed-Ahmed-el-Mahdi (der Meister), Chalifät-er-Rasül (der Nachfolger des Propheten), wie sein Name und seine Titel vollständig lauten. Er war der Schöpfer dieser für die neuere Geschichte des Islam so wichtigen Bewegung und führte die Herrschaft über die Derwische vom Ramadhän-Monate des Jahres 1881 bis zum 22. Juni 1885, wo er, im Alter von erst 45 Jahren, nicht an Gift, oder an Herzverfettung, wie man anderwärts wohl lesen kann, sondern nach Slatin-Pächas, welcher an seinem Sterbebette gestanden hat, mir gemachter persönlicher Mitteilung, am Typhus starb. Der Sohn eines Schiffszimmermannes in Dongola, hatte er zunächst in Kerreri eine niedere, dann in Berber eine höhere Qoränschule besucht. Zwanzig Jahre alt, legte er das Gelübde eines Derwisches ab, durchwanderte, als solcher, auf wiederholten Reisen den Sudan und erwarb sich eine eingehende Kenntnis von Land und Leuten.
Dreißig Jahre alt, läßt er sich auf der Insel Aba im Weißen Nil nieder. Hier führt er das Leben eines Anachoreten. Der Ruf seiner Frömmigkeit wächst. In Scharen beginnt das Volk zu ihm hinzupilgern.
Vierzig Jahre alt, gibt er das Signal zum Aufstande. In vollen Wogen bricht derselbe durch. Die politische Unterlage dieser Bewegung bilden die, durch Mißregierung hervorgerufenen, zerrütteten Zustände im Sudan und die soziale Umwälzung, welche das zu schnell ausgeführte Verbot des Sklavenhandels nach sich gezogen hatte.
Trotz seiner kurzen, knappe fünf Jahre dauernden Regierung hat Mohammed-Ahmed Großes .geleistet. Er hatte sich das Vertrauen und den unbedingten Gehorsam von Millionen erworben und den ganzen ägyptischen Sudan sich zu Füßen gelegt. In seinen Händen befanden sich, als er starb, die Länder Där-För, Kordofän, Sennaar, To-Kär, Dongola, Berber, während die Engländer bis hinter Wädi-JIalfa sich zurückgezogen hatten. Omdurmän war aus einem unbedeutenden Fischerdorfe durch ihn zu einer Hauptstadt geworden, und die Rivalin Chartüm mit den bisher in ihr herrschenden fremden Gewalten lag am Erdboden, entkräftet und für den Untergang bestimmt.
Nun gruben seine nächsten Verwandten, unmittelbar unter dem 122