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Hausanlage, umschließend mehrere, von Weinreben überdeckte Höfe, jeder umschlossen von einer Reihe Gemächern, welche Affen, Hunde und Papageien beherbergten. Dazwischen ein Junggeselle, in seinen schlichten Bedürfnissen unterstützt von einigen schwarzen Dienern und Dienerinnen.
Dieses geräumige Haus steht in dem entvölkerten Omdurmän für einen monatlichen Mietpreis von 60 Piastern, gleich 15 Franks, zur Verfügung.
lin sehr geübter und fleißiger Photograph aus Liebhaberei, war Herr T. im Besitze von wohl 1000 verschiedenen Aufnahmen aus Stadt und Umgegend. Nicht bloß die Durchsicht dieser wertvollen Sammlung, sondern auch eine Auswahl derselben wurde mir von ihm gestattet. Um so dankenswerter war dieses, als kein Photograph von Beruf sich bisher mit Omdurmän beschäftigt hatte, und Darstellungen der Art nirgends käuflich waren.
In dieser Weise unterrichtet und bereichert, verabschiedete ich mich von den beiden Herren, um nun die historischen Stätten Omdurmäns aufzusuchen.
Den Kern der Stadt bildete einst die Residenz des Mahdi, ein großes, von mächtiger Mauer umschlossenes Viertel. Hier lag, untergebracht in bescheidenen Lehmhütten, zunächst seine Kerntruppe von 12 000 Mann, entnommen dem Stamme der Bägara. Dann befand sich in diesem Viertel die große Moschee • allerdings kein Gebäude, sondern nur ein ummauerter, mit Matten belegter, weiter, quadratischer Hof, der aber 70,000 Menschen fassen konnte. Nichts weiter zeichnete ihn aus, als ein erhöhter, nach allen Seiten hin offener Pavillon, in welchem der Mahdi, im Angesichte alles Volkes, seine fünf Tagesgebete zu verrichten pflegte. Außerdem stand auf diesem Platze die Kanzel für den predigenden Imam und die Nische, welche die Richtung nach Mekka hin anzeigt. Wenn zu Zeiten der Blüte der Mahdia hier 70,000 Beter in Reih und Glied standen, und dann voll Andacht vor Gott, auf eins, sich niederwarfen, so mußte dieses ein ganz imposanter, den Glauben im höchsten Grade entflammender, Anblick gewesen sein Heute ist bis auf die vollkommen erhaltenen Umfassungsmauern alles rasiert, und man reitet über den weiten Platz, durch die auf allen Seiten offenen Tore kreuz und quer herüber und hinüber, als wäre hier niemals ein geweihter Grund gewesen.
Dicht an diesen Platz stieß das Wohnhaus des zweiten Chalifen Abdullahi, welcher am 22. Juni 1885 die Herrschaft über das Reich der Derwische in Omdurmän antrat, und sie 13 Jahre lang behauptet hat.
Dieses Haus war zu jener Zeit das einzige zweistöckige Gebäude der Stadt.
Abdullahi liebte es, von der Zinne seines, alle anderen Wohnungen überragenden, Hauses, des Abends dort lustwandelnd, über das Häusermeer seiner Residenz hinzublicken. Im Ganzen ist dieses umfangreiche Gebäude, welches fest und gefällig zusammengefügt ist, noch heute wohlerhalten und 121