Sudan Archive

Open the original scan

KAPITEL XIX.

In Chartüm.

Am Mittwoch früh, den 4. März, legte sich meine Barke an den Quai von Chartüm, zu den Füßen des Regierungspalastes. Nur hier ist auf eine kurze Strecke das steile Ufer durch eine Substruktionsmauer gestützt. Der ganze übrige Abhang der Uferstraße ist, wie ihn die Natur formte, noch frei dem Angriffe der Wellen preisgegeben, welche nun, durch Abbröckelung großer Erdschollen, die stürzend, selbst Palmenstämme mit sich in die Tiefe reißen, jährlich ihre Opfer heischen.

Ich begab mich zunächst zur Post, wo eine seit zwei Monaten aufgesammelte Briefsendung meiner wartete. Es war so viel des Guten, daß mein Diener Hassan ein Tuch auf die Erde ausbreitete, um alles sorglich hineinzuknüpfen.

Unter den freundlichen und willkommenen Gaben aus der Nähe und der Ferne befand sich auch ein amtliches Empfehlungsschreiben aus Kairo an den Generalgouverneur des Sudan, Sir Reginald Wingate. Da es indessen noch zu früh am Tage war, um diesen Herrn in seinem Schlosse aufzusuchen, so begab ich mich zu dem einzigen Gasthofe, welchen die Stadt besitzt, „Hotel Chartüm“. Durch einen kleinen Vorgarten schreitend, betrat ich die Veranda dieses langgestreckten, aber wenig tiefen Hauses, welches wohleingerichtet zu sein schien. Der Direktor, wie der Oberkellner, sind Deutsche. Da die Reisezeit hier knapp bemessen und der Zufluß von Fremden nur gering ist, so sind die Preise hoch. Der Tourist zahlt für Wohnung und Verpflegung, als Tagespreis, 100—150 Piaster, gleich 26—39 Franks ; der englische Offizier dagegen, welcher in Chartüm lebt, hat beides für 10 Pfund Sterling monatlich. Ähnliche Ausnahmepreise für die genannten Herren 111

Text produced by OCR — report an error