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Hauptmahlzeit eingenommen hatte, ließ ich einen Stuhl auf das Mitteldeck hinausbringen, um, auf ihm sitzend, den herrlichen Sonnenuntergang zu genießen.
War die leuchtende Scheibe verschwunden, so überzog sich der westliche Himmel mit einem flimmernden Rubinrot, welches, sich abstufend durch alle Schattierungen des Regenbogens, bis zum Zenit hinaufstieg. Die Luft wurde dann so klar, daß man glaubte, durch den ersten Himmel hindurch in einen zweiten hinaufschauen zu können. Der Strom floß, leicht gekräuselt, wie ein Silberhand dahin. Am Ufer lagen friedlich die Hütten unter Baum und Busch. Schwarze Männer und Frauen saßen am Ufer und spülten den Staub des Tages von ihren Füßen.
So geschah es in der Abenddämmerung des ersten März, daß die erste, feine Scheibe des Neumondes, schwimmend in der goldenen Flut der sinkenden Sonne, sich zeigte. Eine freudige Bewegung ging bei diesem Anblicke, durch die Herzen der Schiffer und meiner Diener. Sie richteten in schwärmerischer Glut ihre Blicke auf dieses himmlische Zeichen. Sie hoben, ohne daß jemand eine Aufforderung dazu ergehen ließ, sämtlich ihre Arme gen Himmel und sprachen laute Gebete.
Als ich später Hassan fragte: „Was hast Du jetzt gebetet?“ antwortete er: „Ich dankte Allah für das Geschenk dieses neuen Monats und habe ihn angesprochen um seinen Segen in demselben für Dich, meinen Herrn, und für mich selbst!“ Jede Äußerung der Frömmigkeit hat etwas Ehrwürdiges, in welcher Gestalt sie sich auch zeigen mag. Am Dienstage, den 3. März, in später Abendstunde, zeigten sich in der Ferne, am südwestlichen Horizonte, die Lichter von Chartüm, eine feine Linie flimmernder Punkte. Wir mochten etwa vier Kilometer von unserem Ziele ab sein. Ras Ahmed machte nun den Vorschlag, hier zu ankern und erst am nächsten Morgen früh in die Stadt einzulaufen, ein Rat, dem ich zustimmte. Demnach hatte ich nur sechs und einen halben Tag gebraucht, um die Strecke von Wäd-Medani bis nach Chartüm, 237 Kilometer, in meiner Barke zurückzulegen. Eine tüchtige Leistung. Denn bei so starkem Gegenwinde und dem häufigen Sichfestfahren hätte das auch eine Reise von acht bis zehn Tagen werden können. Indessen das Versprechen eines Geschenkes an die Matrosen, wenn sie kräftig Zugriffen, hatte diese Beschleunigung bewirkt.
Von der Regierung zu Chartüm wurde mir die Benutzung dieses ihres Fahrzeuges in sehr loyaler Weise, nur zum Selbstkostenpreise, mit 1 ya Pfund Sterling, berechnet, wozu ich, aus eigenem Antriebe, denselben Betrag als Geschenk für die vier Matrosen, noch hinzulegte.