Sudan Archive

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obwohl die Fischerei von den Eingeborenen gewerbsmäßig nicht betrieben wird, wurden uns doch Prachtexemplare großer, wohlschmeckender und dazu völlig grätenfreier Fische zum Kaufe häufig angeb oten.

Beide Ufer sind mit einer fortlaufenden Kette von Dörfern besetzt, deren Häuser jedoch nur selten, hart an den Uferrand gerückt, sichtbar werden. Dafür zeigen sich die Bewohner oft genug am Strande. Sie arbeiten in ihren Gemüsegärten, wie auf den Getreidefeldern. Auf letzteren stand der Weizen bereits in vollen Ähren. Sie tränken und waschen ihr Vieh. Sie schichten am Ufer auf Stroh, Holz, Kalksteine und bezeichnen durch ausgesteckte Fähnchen diese Ware als verkäuflich. Sie baden sich und reinigen ihre Kleider. Sie fischen und sie machen Jagd auf Vögel, indem sie ein kurzes, krummes Wurfholz so hoch und so geschickt in die Luft werfen, daß sie mit diesem, beständig um sich selbst kreisenden, Geschoße den Vogel im Fluge treffen und töten. Sie arbeiten an Schöpfrädern, welche ähnlich denen in Oberägypten, bald mit dem Göpel, bald mit der Hand betrieben werden.

In den Regenmonaten Juni bis Oktober, voll bis zum Rande zwischen seinen Ufern hinströmend, besitzt jetzt der Blaue Nil im Durchschnitt knapp einen Meter Tiefe. Und obwohl unsere Barke, leicht befrachtet, einen Tiefgang von nur 50 Zentimetern hatte, blieben wir doch oft genug auf einer Sandbank sitzen. Dann warfen die Matrosen ihre Kleider ab, sprangen nackt in’s Wasser, hoben, schoben, rückten, bis wir flott waren. Dabei feuerten sie sich gegenseitig durch einen Wechselgesang an, indem sie unter verschiedenen Modulationen die Worte wiederholten: „Allah — ja — lissa,“ was soviel heißt als: „Allah, du, Herr, jetzt und noch einmal!“ wohl zu ergänzen: „Hilf uns!“ Schlimmer ergeht es tiefbeladenen Schiffen. Diese müssen in solchen Fällen oft genug ihre ganze Ladung auf kleine Kähne verteilen, um dadurch wieder flott zu werden. Nicht selten begegneten wir Schiffen und Schiffsleuten, welche auf diese Weise sich abmühten. Obwohl wir mit dem Strome fuhren, hatten wir davon doch keinen großen Nutzen, indem ein starker, aufhaltend er Wind aus Westen uns entgegenwehte. Die Matrosen mußten viel treideln, mit Stangen stoßen und auch rudern. Letzteres geschah mit sehr unbeholfenen, schweren Riemen, welche, nur grob ausgehauen, das Gewicht eines Balkens hatten. Aber die Leute taten das alles unverdrossen unter Scherzen, Lachen und Gesang, indem sie den ganzen Tag, und oft auch die halbe Nacht, hindurch arbeiteten.

Die Temperatur auf dem Wasser war eine mehr ausgeglichene, als auf dem Lande. Die Tagesstunden waren nicht so heiß, und die Nachtstunden nicht so kühl. Ein erfrischender Hauch zog über die Wellen hin, und, was besonders erfreulich war, es gab keine Moskitos. Am schönsten waren auf dem Nile die Abende. Wenn ich während der heißen Tagesstunden in meinem Zelte gearbeitet, dann um 4 Uhr meine 109

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