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der letzten Wochen, mich körperlich zu erholen, innerlich zu sammeln und die gewonnenen, reichen Eindrücke in ungestörter Zurückgezogenheit zu verarbeiten.
Der Blaue Nil, entspringend aus dem im Herzen Abessyniens gelegenen Tsanasee, wird schiffbar auf dem Gebiete des ägyptischen Sudan bei Rosaires. Von hier bis Chartüm, in einer Strecke von 685 Kilometern, wird er zu jeder Zeit mittelst Barken, aber in den Monaten der Nilschwelle auch durch Dampfer befahren. Als Gebirgsfluß, welcher zu der Zeit niederfallender Regen die in den Bergen sich sammelnden Wasser aufnimmt und abführt, ist er — zusammen mit dem Atbära — die Ursache der Nilschwelle. Ihm dankt Ägypten die Überschüsse an Wasser, das heißt seine fruchtbringenden Überschwemmungen in den Monaten Juni bis Oktober, während der Weiße Nil nur dafür sorgt, daß auf der weiten Strecke von Chartüm bis zum Meere (circa 3000 Kilometer) der Strom niemals austrocknet, sondern auch in den regenarmen Zeiten einen gleichmäßigen Bestand an Wasser sich erhält. Von der tiefblauen Farbe seines Wassers hat er wohl den Namen Bahr-el-azrak, d. h. der Blaue Nil. Und nach seiner Vereinigung mit dem „blonden“ Bruder, südwestlich von Chartüm, erhält sich noch lange dieses dunkel gefärbte Wasserband, in sich geschlossen, neben den helleren Fluten des Balir-el-abjad, des Weißen Nils.
In der Regenzeit verliert er allerdings seine schöne blaue Farbe und wird dann schmutzig gelb. Die Eingeborenen rühmen auch den guten Geschmack seines Wassers und ziehen es, als Getränk, dem des Weißen Nils bedeutend vor. Denn im Weißen Nile sind es die vielen schwimmenden Pflanzen-Barren (sett genannt), welche dem Wasser desselben oft einen modrigen Beigeschmack geben.
Bei Wad-Medani, von Rand zu Rand zirka 200 Meter messend, verbreitert der Bahr-el-azrak sich bald, und kann an seinem Zusammenflüsse, vor Chartüm, mit der Elbe bei Hamburg an Tiefe und Breite verglichen werden.
Seine Ufer, durchgehend hoch (100 bis 200 Meter), sind meist terrassiert, und mit Pflanzen überkleidet. Auf den unteren Terrassen sieht man fleißig angebaute Gemüsegärten, enthaltend Bohnen, Linsen, Gurken, Melonen, Kürbisse und Tomaten; auf den oberen befinden sich Getreidefelder aus Weizen, Gerste, Durra und Duchon. Diese Kulturanlagen sind untersetzt mit Busch und Wald. Die Dattelpalme zeigt sich jedoch hier nur selten.
Die Fauna ist reich an Wasservögeln, als Bekassinen, Regenpfeifern, Strandläufern, Pelikanen, Seidenreihern, Zwergreihern, schwarzen Störchen.
Krokodile sind vorhanden, zeigen sich aber nicht oft. Sie sind von mittlerer Größe, und ihr Panzer trägt die gelbgraue Farbe des Sandes, auf dem sie, in der Mittagsglut hingestreckt, zu schlafen lieben. Der Fischreichtum des Blauen Nils scheint sehr groß zu sein ; denn, 108