Facsimile · p. 137
Abbas-Pächa, Vizekönig von Ägypten, hatte eine Beduinin zum Weibe.
Die Tochter der Wüste war zur Fürstin geworden! — Aber auf der höchsten Terrasse ihres Schlosses zu Abässijeh, welches östlich von Kairo am Rande der Wüste liegt, ließ sie sich ein einfaches Leinenzelt aufschlagen, unter dem sie des Nachts schlief, treu der Sitte ihres Stammes.
Ihre Sehnsucht nach dem freien Leben in der Wüste sprechen folgende Verse aus, welche nach der Übertragung aus dem Arabischen ins Deutsche also lauten: Lieber im Zelte, das die Winde durchbrausen, Als im fürstlichen Schloß will ich hausen Lieber ist mir der Hund, der jeden Fremden beknurrt, Als die Katze, die schmeichlerisch schnurrt.
Lieber in die gröbste Decke mich kleiden, Als in Gewänder von Sammet und Seiden.
Lieber trabe ein junges Kamel meiner Sänfte nach, Als, daß ein prächtiges Saumroß mich trag’.
Lieber seh’ ich den Mann von altem Stamm und edler Art, Als einen Dickwanst mit salbenduftendem Bart. Des Sturmes Heulen in freier Wüste klingt meinem Ohr Herrlicher, als der schönste Trompetenchor.
Ein Stückchen Brot in meines Zeltes Ecken Wird besser, als die süßesten Bissen, mir schmecken. Nach der heimischen Wüste sehnt sich mein Herz, Und kein Fürstenpalast lindert je meinen Schmerz!
Allerdings müssen wir Kulturmenschen, deren Kinderstube kein Zelt gewesen ist, uns beschränken lernen, wenn wir mit unseren Kamelen und unseren Beduinen hinausziehen in die Wüste. Kurze Haare, kurze Nägel, einfache Kleidung, wollenes Hemd, bescheidene Ansprüche an Küche und Keller, kein pedantisches Halten auf die Stunde und die Art der Befriedigung unserer Wünsche, kein Sichaufblähen und Poltern mit den Leuten, sondern Geduld und Einfachheit, Güte und bester Humor. Mit solcher Ausrüstung wird die ganze volle Schönheit dieses Lebens am reichen Herzen der Natur, im Genüsse voller, ungebundener Freiheit, und in der Mitte dieser ungeschminkten, offenen, freimütigen, schlichten Söhne der Wildnis uns aufgehen und erquicken.
Als ich Dienstag, den 24. Februar, unter Zurücklassung meiner Karawane auf dem rechten Nilufer über den Fluß mit einem Fährboote gesetzt hatte, nur von meinem Diener Hassan begleitet, stieg ich die hohen Erdstufen des linken Stromrandes hinauf, indem mir eine lange Reihe nur wenig bekleideter Negerinnen begegnete, welche hinabkamen, den Tonkrug auf dem Kopfe, um Wasser zu schöpfen.
Bald befand ich mich in einer belebten Straße der Stadt. Einen Brief aus Kairo für den Mudir trug ich in der Tasche, und hatte deshalb das Interesse, alsbald das Regierungsgebäude, stets kenntlich 105