Facsimile · p. 133
Eingänge ein Tükl, bestimmt zur Aufnahme von Wanderern und Gästen.
Ich trete in dasselbe ein, geleitet von dem Diener des Schech. Es ist ein hoher, luftiger, sauber gehaltener Raum aus Strohgeflecht. Bald wird auch ein Angareb hereingebracht, überdeckt mit einem verblichenen persischen Teppiche, gewiß aber einer Kostbarkeit an diesem Orte. Ich strecke mich auf diesem Ruhebette aus, und nun werden mir unaufgefordert serviert, erst eine Kürbisschale voll gezuckerten und gekühlten Wassers, dann Kaffee, endlich Thee.
Inzwischen ist auch meine Karawane eingetroffen, und die Leute richten sich in einem benachbarten Tükl ein. Mursi, der Koch, hat einige junge Tauben unterwegs für mich gekauft, und Hassan hat frische Melonen aufgetrieben. Ich bekomme ein gutes Mittagbrot. Als ich dasselbe an dem Tisch, der mir aus meinem Inventar — (denn das Dorf besitzt keinen) — aufgestellt ist, mit Appetit einnehme, erscheint unter Führung des Schechs Ahmed-Bechir-el-Charif eine Reihe von Leuten, welche auf ihren Köpfen verdeckte Schüsseln tragen; die Deckel — (tabaqa) — bestehend aus jenen buntgeflochtenen, kegelförmig zulaufenden Strohmützen, wie sie im Sudan üblich sind. Die schwarzen Knaben stellen diese Platten vor mich hin auf den Erdboden, und lüften die Deckel. Es sind Fleischspeisen, hergestellt von einem frischgeschlachteten Schafe. Da ich soeben meine Tauben und Melonen verzehrt habe, bin ich außerstande, dieser Gastfreundschaft voll zu entsprechen, und trete die Gerichte, nachdem ich ein weniges gekostet habe, mit Zustimmung des Gebers, an meine Diener ab. Zuerst bekommen Hassan und Mursi die Auswahl. Zu meinen Füßen auf der Erde sitzend, strecken sie ihre Hände aus nach dem leckeren Mahle. Dann wandern die ansehnlichen Reste auf den großen Platten hinüber in das zweite Tükl zu den anderen Leuten, welche bald damit reinen Tisch machen. Es ist eine ehrliche und herzliche Gastfreundschaft, die sich bei diesen weltentlegenen, unverdorbenen Kindern der Natur zeigt, welche noch nicht zivilisiert, das heißt pfiffig gemacht, den Fremden überfallen, um ihn nach Kräften auszubeuten, sondern vielmehr ihn aufnehmen, ihn pflegen und erfrischen.
Während ich in dem Tükl mich aufhalte, steht an der Türe eine Gruppe völlig nackter, schwarzer Kinder, welche, getrieben von Neugierde, dann zurückgehalten von Scheu, bald einer den anderen vorwärtsschieben, bald alle wiederum zurückweichen, dabei aber aufmerksam forschend mich betrachten. Nun ich hinaustrete, stieben sie jäh auseinander. Das Dorf ist in Seriben 1 ) eingeteilt, d. h. in Umwallungen aus Dornenb „Seriba“ heißt auch in Syrien der transportable Rohrzaun, mittelst dessen man zur Nachtzeit die im Freien weidende Herde dort schützend umstellt.
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