Facsimile · p. 130
Der Weg zwischen Gadäref und Wäd-Medani am Blauen Nil beträgt nach ungefährer Schätzung 240 Kilometer. Seine Stationen sind Terräs, Mutra-Mela, El-Fau, Ain-el-Lueiga und Wäd-Medani.
Erschwert ward der Marsch dadurch, daß die Strecke zwischen Gadäref und El-Fau in einer Länge von 144 Kilometern kein Wasser hat. Flüsse fehlen dort, ebenso die Brunnen. Daß letztere nicht vorhanden sind, ist ein Vorwurf für die Verwaltung; denn sicher enthält der schwere Tonboden dieser Ebene Wasseradern.
Da das Mitnehmen von Wasser, bedingt durch dessen Gewicht, und die kostspielige Verpackung in Schläuchen, eine nur beschränkte sein kann, so muß solch eine sterile Strecke in Eilmärschen durchzogen werden.
Donnerstag, 2 Uhr des Nachts, brach ich von Gadäref unter Benutzung des Mondlichtes auf. Um 3 Uhr des Nachts wurden am letzten Brunnen noch einmal die Kamele getränkt. Mittags von 11—2 Uhr war East. Dann Marsch bis 7 Uhr abends. Am Ende, um Zeit zu gewinnen, lasse ich zur Nacht nur das kleinere Zelt aufschlagen, in welchem ich auf ebener Erde schlafe. Die Verpflegung wird auf Thee und kalte Küche beschränkt. Um 12-ya Uhr nachts erfolgt der Weitermarsch. Um 4 Uhr des Morgens wird Terräs passiert, um 10 Uhr vormittags Mutra-Mela. Ein heißer Sirokko ist aufgegangen. Zwei Eequben, leere Strohhütten, finden sich auf dieser Station. Wenigstens gehen sie Schatten in dieser baumlosen Ebene. In der einen werfe ich mich über meinen Teppich hin.
Allein vergebens sucht man Kühlung und Schlaf. Lau ist heute die mir gebrachte Limonade, warm die zerschnittene Wassermelone, und der Südwind, welcher die Bequba durchstreicht, weht uns den heißen Atem des Äquators entgegen. Ein willenloser Zustand völliger Erschöpfung kommt über uns. Aber dennoch ist es unmöglich, bei -(- 35 Grad E. im Schatten, den Schlaf zu finden.
Alles, Menschen wie Tiere, begehrt bei dieser Gluthitze nach den Wasserschläuchen, und unser Vorrat schmilzt sichtlich zusammen!
Unbedingt müssen wir am Sonnabend früh in El-Fau sein! Darum brechen wir 4 Uhr nachmittags von Mutra-Mela auf. Zur Nacht wird heute, um jeden Zeitverlust zu meiden, gar keine Vorrichtung zu unserer Bequemlichkeit getroffen. Ich schlafe ohne Zelt, auf freiem Felde, Hassan zur Eechten, Mursi zur Linken. Die übrigen Leute, sowie die Tiere, liegen im Kreise umher.
Vier Stunden nur ruhen wir, von 7 bis 11 Uhr. Als ich an diesem Abende meine Zitronenlimonade verlangte, erhalte ich nur noch einen halben Becher voll, und heim Ausmarsche gibt es kein Waschwasser mehr, und keinen Thee. Unsere Wasserschläuche sind erschöpft. Wir steigen darum alle nüchtern, noch vor Mitternacht, in die Sättel. Laternen werden vorangetragen, bis der Mond aufgeht. Und endlich, um 8 Uhr, Sonnabend 98