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Lage im Sudan; des Abends aber speisten wir mit den englischen Offizieren in dem Hause eines Mr. Flemming. Dieser, ein junger Jurist, ist zur Zeit der einzige Engländer in Gadäref. Seine Aufgabe ist die Rechtsprechung unterer Instanz, während Major Ramzi der Verwaltung vorsteht. Flemming lebt in einem halbverfallenen Hause. Es enthält zwei wüste Räume, denen durch bescheidene Zutaten einen Anstrich des Behagens zu geben, auch nicht der leiseste Versuch gemacht war! Dem entsprachen nun auch die Tischzurüstung, wie die gereichten Speisen. Es war ein großer Gegensatz zu dem gestern uns Angebotenen. Und diese Mahlzeiten wird Mr. F., bedient von seinem schwarzen Knecht, wieder lange Monate ganz allein für sich einnehmen, wenn wir drei Gäste Gadäref verlassen haben werden!
Es drängte sich daher die Frage mir auf die Lippen: „Aber Mr. F., warum machen Sie denn nicht gemeinsamen Tisch mit den ägyptischen Offizieren?“ — Die Antwort lautete trocken: „That is not the custom!“ Und er setzte hinzu: „Auch in Indien haben wir keine Tischgemeinschatt mit den eingeborenen Offizieren! Außerdem wird es Ihnen bekannt sein, daß auf einem Kriegsschiffe der Kommandant stets getrennt von seinen Offizieren speist!“ — Es sind diese Äußerungen überaus charakteristisch für die Höhe der englischen Selbsteinschätzung! — Daß solche geflissentliche Absonderung die ägyptischen Offiziere kränken muß, ist leicht verständlich, zumal schon der große Unterschied in der Bemessung des Soldes ein Stachel für sie ist. Während nämlich ein Kapitän ägyptischer Abkunft einen Jahresgehalt in Höhe von 3000 Mark bezieht, erhält in demselben Regiment ein Leutnant englischer Herkunft einen solchen von 9240 Mark, obwohl die Zahlung beider Summen lediglich aus ägyptischen Kassen fließt. Und mit sehr wenigen Ausnahmen werden jetzt in den ägyptischen Regimentern alle Stellen vom Bataillonskommandeur aufwärts an Engländer vergeben.
Am nächsten Tage schon verließ Slatin-Pächa zu meinem Bedauern Gadäref, um nach Kassala zu reisen. Er kam noch bei meinem Zelte vorgeritten zur Verabschiedung. Ein weißes Kamel war sein Reittier, und er behauptete, auf ihm an einem Tage 70 Kilometer zurücklegen zu können. Die Araber geben solch einem Renner den Namen „Hagina“. Sein Kaufpreis würde in dieser Gegend 500 Franks sein. Vom hohen Sattel herab hing auf beiden Seiten ein silberweißes Fell, was sich sehr gut ausnahm. „Mein Bette,“ sagte mir Slatin; „denn ich pflege auf meinen Reisen, hier zu Lande, nie in einem geschlossenen Raume, sondern stets im Freien, und dann meist auf dem Erdboden zu schlafen!“ Zwölf Soldaten auf gleich schnellen Kamelen begleiteten den Pächa. Und es war ein frischer Anblick, als nach dem letzten gewechselten Händedrucke der so viel genannte Mann mit seiner Suite dahin stob. Ich mußte 94