Facsimile · p. 121
KAPITEL XVI.
In Gadäref.
Als ich Sonntag, den 15. Februar, in Gadäref einritt, fand ich die Stadt im Festkleide. In der Mitte der Hauptstraße stand eine Ehrenpforte, Flaggen wehten über den Häusern, und hier und da schlang sich ein Palmenzweig um ein Türgerüst. Der Mudir der Provinz, Oberst Henry, welchen ich in Kassala nicht angetroffen hatte, befand sich auf der Rückreise von seinem Urlaube hier in Gradäref, und mit ihm eine Persönlichkeit, welche ich lange den Wunsch gehabt hatte, kennen zu lernen, Rudolf v. Slatin-Pächa, der Verfasser des auch in deutscher Sprache erschienenen Werkes: „Feuer und Schwert im Sudan“.
Beiden Herren zu Ehren hatte Gradäref sich festlich geschmückt!
Als ich unter den heißen Sonnenstrahlen des Mittags mit meiner Karawane auf einem freien Platze in der Nähe eines Hauses hielt, welches zu den besseren zählte, trat ein junger Ägypter in Uniform auf mich zu, der in geläufigem Französisch mich ansprach. Es war der Polizeioffizier des Platzes, Amed Zade.
Ich drückte ihm meinen Wunsch aus, einen Platz für meine Zelte angewiesen zu erhalten. Sofort beorderte er einen Transport Gefangener, welche auf einem Hügel eine passende Erdfläche einebnen und reinigen mußten; mich seihst aber lud er ein, bei ihm einzutreten, bis meine Zelte eingerichtet sein würden. Ein Glas frisch bereiteter Zitronenlimonade, welche sein Diener mir reichte, erquickte mich, neben einer freundlichen Unterhaltung. Dann begab ich mich in mein fertiggestelltes Heim, um nach kurzer Rast die Kleidung zu wechseln für einen Besuch bei Oberst Henry und Slatin-Pächa.
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