Sudan Archive

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Der Atbara fließt mit spiegelklarem, sehr gut schmeckendem Wasser über grobes Geröll dahin, hat an dieser Stelle und um diese Zeit aber eine Tiefe von nur 70 Zentimetern und eine Breite von etwa 100 Metern.

Dieses Wasserband wird begleitet von einem flachen, breiten Ufer, welches gleichfalls eine Decke von grobem Geröll trägt. Darüber erhebt sich die hier baumbesetzte Steppe. Das Baden war also mit Hindernissen verknüpft. Der spitzen Steine wegen mußte es* mit Schuhen geschehen, und der geringen Tiefe wegen mußte man sich lang ausstrecken, wozu eine Matte über den steinichten Grund gebreitet wurde. Auf Hassans Anordnung taten das meine Halanga schnell und geschickt, und bewirkten dann durch reichliches Plätschern ein ganz erfrischendes Wellenbad mitten im Atbara. Meine Hauptmahlzeit nahm ich in diesen Reisetagen stets um 3 Uhr ein, denn schon um 4 Uhr brachen wir die Zelte ab, und um 5 Uhr begann der Weitermarsch.

Unser heutiges Ziel war die Station Shagerab, in der Entfernung von angeblich 35 Kilometern. Doch man würde sehr irren, unter diesen Stationen im Sudan irgend eine Ortschaft, oder auch nur ein vereinzeltes Haus sich vorzustellen. Ein leerer Fleck ist es, von dem der Führer sagt: „Hier ist der und der Ort!“ Nichts weiter! — Der Telegraphendraht, welcher Kassala mit Gadäref verbindet, geht allerdings über unseren Köpfen hin. Aber zwischen beiden Orten, welche eine Entfernung von 200 Kilometern trennt, ist es ganz unmöglich, irgend eine Nachricht aufzugeben oder zu empfangen, was doch in Notlagen für den Reisenden von großem Werte wäre. Die Herren Engländer, welche sich täglich auf diesen Drähten die Reuter -Depeschen zutelegraphieren — (sie wurden mit Stolz auf allen Hauptstationen mir gezeigt) — haben die Anlegung von Zwischenstationen zum Nutzen anderer Leute sich gespart. Wie anders war das in Erythräa gewesen, wo in Abständen von 40 Kilometern gut bediente Telegraphenund Militärstationen sich fanden, aut denen der Reisende, unter Rat und Hilfe der Bediensteten, jederzeit in Verbindung mit dem leitenden Zentrum treten konnte. Die flache Landschaft ist hier von großer Einförmigkeit. Immer dieselben Mimosenbüsche, immer dieselben blaßgelben Flächen abgestorbener, hoher Gräser. Es müßte denn sein, daß diese Flächen zeitweise in die schwarze Farbe übergehen, dort, wo einer der vielen Prairiebrände Gras, wie Busch, zum Verkohlen brachte.

Nirgends eine menschliche Siedelung, und selten eine weidende Herde. Das ist auch für unsere Verproviantierung überaus nachteilig. Denn die in Erythräa so reichlich sich darbietende Gelegenheit, frisches Fleisch, Milch und Eier zu erhalten, ist hier völlig versiegt. Um 8 Uhr abends stieß ich auf ein verlassenes Dorf. Seitlich von demselben stand auf einer 87

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